Wuppertaler Orgelmacher verkaufte sein Instrument für 100 Pistolen

Historie : Historie: Eine Orgel für 100 Pistolen

Orgelbauer Jacob Engelberg Teschemacher war der berühmteste Spross der Familie.

. Der Teschemacher Hof, gelegen „In der Mirke“, ist nicht nur architektonisch und historisch wertvoll. Auch Musikwissenschaftlern ist er bekannt, als Wirkungsstätte des Orgelbauers Jacob Engelbert Teschemacher. Auf Spurensuche ist Dirk Naas, Sprecher der Renaissance AG, dem neuen Eigentümer, gegangen und suchte unter anderem im Stadtarchiv Wuppertal nach Informationen zur Geschichte.

Der alteingesessenen und bedeutenden Familie Teschemacher gehörten demnach 13 Elberfelder Bürgermeister des 17. und 18. Jahrhunderts an. Das bekannteste Mitglied der Familie war allerdings der Orgelbauer Jacob Engelbert Teschemacher (19. April 1711 bis 26. Oktober 1782), ein wahrer Meister seines Fachs. Noch heute sind seine Heim- sowie Kirchenorgeln gesuchte und geschätzte Stücke.

Mit Hausorgeln begann Teschemacher seine Karriere

Bevor er seine erste Kirchenorgel um 1760 während der unruhigen Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) baute, hatte er bereits mindestens 20 Jahre früher Hausorgeln hergestellt. Ein genaues Datum ist nicht überliefert. Diese Orgeln waren viel kleiner als Kirchenorgeln und in einer Art Schrank untergebracht, der nicht viel größer als ein Kleiderschrank war. Solche praktischen Hausorgeln übergab man im 18. Jahrhundert den Töchtern reicher Patrizierfamilien als Hochzeitsgeschenk, genau wie ein Klavier oder Flügel in diesen Kreisen später zur Aussteuer gehörte.

Ein schönes Beispiel eines solchen Hausorgeltyps ist in der Uellendahler Philippuskirche zu bewundern. Sie wurde um 1770 gebaut und besitzt zwei durchgehende und vier halbe Register, mit denen der Klang der Orgelpfeifen verändert wird. Sie wurde 1860 vom Kommerzienrat Wilhelm Meckel gestiftet, geschenkt von Baronin Selma von der Heydt, sehr wahrscheinlich aus ihrem eigenem Besitz. Eine Teschemacher Orgel war schon immer etwas Besonderes.

Seine erste Kirchenorgel baute Jacob Engelbert Teschemacher rund 50-jährig im Jahr 1760 in seiner Werkstatt in seinem Elternhaus, also im heutigen Teschemacher Hof. Diese soll sich im langen Ostflügel des Hauses befunden haben, in der Form einer kleinen achteckigen Chorkapelle. Die Orgel war für die lutherische Kirche am Kolk bestimmt, die allerdings 1895 abgerissen wurde.

Zu dieser Zeit gab es in den Kirchen noch keine Orgeln, Jakob Engelbert war sozusagen ein Wegbereiter der kirchlichen Orgelmusik. Denn damals hielten viele Menschen, auch seine Freunde und Verwandten, eine Orgel für ein „heidnisches“ Instrument, da sie glaubten, nur die menschliche Stimme sei dazu berufen, Gottes Lob in der Kirche zu verkünden. Doch das Instrument und auch seine Arbeit setzten sich durch. Schnell hatte er einen hervorragenden Ruf als Orgelbauer erlangt. Seine Instrumente hatten zudem einen bestimmten Klang, den ganz eigenen Teschemacher-Klang.

1766 baute er für 850 Reichsthaler eine Orgel für die lutherische Kirche in Düsseldorf. Im Jahr 1770 fertigte er für Schwelm eine Orgel, für die ihm laut Aufzeichnungen „567 Reichsthaler = 100 Pistolen“ bezahlt

wurden.

Seine Orgeln hatten den ganz eigenen Teschemacher-Klang

Ein weiterer Auftrag für Wickrathberg brachte ihm sogar 900 Reichsthaler ein. Damals war das eine immense Summe Geld. Sein Meistergeselle Johann Gerhard Schrey führte seine Arbeiten nach seinem Tod fort. So sollen 1785 für die Orgel in Wupperfeld ganze 2000 Reichsthaler gezahlt worden sein.

Über den Menschen Jakob Engelbert Teschemacher ist nur wenig überliefert, es existiert auch kein Bildnis von ihm. Er soll ein frommer Mann gewesen sein. „Freundlich, ernst, sanft, behutsam, ein verehrungswürdiger, herrlicher Mann“, so wurde er in der Sprache jener Epoche beschrieben. Zudem war er ein vermögender Mann und zugleich Wohltäter der Armen, wie mehrfach bezeugt wurde. 1775 schenkte er der Schule im Uellendahl 300 Reichsthaler.

Jacob Engelberts Großvater Adolf Elscheid war ehemaliger Lehrer und mit dem berühmten rheinischen Orgelbauer Peter Weidtman in Ratingen gut befreundet. Sein Enkel erlernte dort wahrscheinlich das Orgelbauerhandwerk. Red

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