Hospizgruppe plant die Einrichtung eines Trauercafés

Hospizgruppe plant die Einrichtung eines Trauercafés

Es soll ein Ort der Begegnung und des Austauschs werden. Denn das ist für viele Trauernde wichtig und hilfreich.

Tönisvorst. Oft sind es die Angehörigen, die mehr Hilfe brauchen als die Sterbenden selber. Das haben Marie-Hanne Brauers, Brigitte Christ und Gaby Wenders von der Hospizgruppe Tönisvorst schon oft gemerkt. „Einigen Hinterbliebenen fällt es sehr schwer loszulassen“, erzählen die Sterbebegleiterinnen. Auch Selbstvorwürfe, sich nicht genug etwa um die Eltern gekümmert zu haben, hören die Frauen oft von Töchtern und Söhnen, deren Vater oder Mutter im Sterben liegen.

„Es kann helfen, mit Außenstehenden darüber zu reden“, sind sie sich sicher. Außerdem sei es wichtig, der Trauer Raum zu geben. „Das Ziel der Trauerarbeit ist es, zurück ins eigene Leben zu finden“, sagt Marie-Hanne Brauers. Wie lange das dauert und welchen Weg die Hinterbliebenen dabei gehen, sei ganz individuell und sehr unterschiedlich, weiß die 70-Jährige. Für viele sei es hilfreich, Trauerrituale kennenzulernen, mit jemandem über den Verlust zu sprechen oder sich mit anderen Trauernden auszutauschen.

Britta Jartwig, Koordinatorin bei der Hospizinitiative Viersen

Deshalb haben die drei Ehrenamtlerinnen eine Idee: Ab Januar nächsten Jahres wollen sie einmal im Monat in den Räumen des Seniorenvereins „Alter-nativen“ im Mertenshof am St. Töniser Pastorswall ein Trauercafé für Menschen anbieten, die einen Angehörigen verloren haben. In der Gesellschaft sei für Trauer nämlich oft kein Platz. „Die Gesellschaft ist auf Spaß programmiert“, sagt Britta Jartwig, Koordinatorin bei der Hospizinitiative Viersen, zu der die Tönisvorster Hospizgruppe gehört. „Dadurch kommt es zu Ausgrenzung von Trauernden.“ Es sei aber wichtig, der Trauer Raum zu geben. Dafür soll das Trauercafé stehen. Neben regelmäßigen Treffen werden Gesprächsrunden, Einzelgespräche und Betreuung angeboten. Das Trauercafé sei nicht konfessionell gebunden und stehe allen Menschen offen, betonen die Initiatorinnen.

Unterstützt wird die neue Einrichtung von der Hospizinitiative Viersen, die auch die Zusatzausbildung der drei Frauen aus St. Tönis zur Trauerbegleiterin angeboten hat. 80 Stunden habe das Seminar umfasst, erzählt Gaby Wenders, mit 60 Jahren die Jüngste in der Runde. Dabei sei viel über eigene Verluste und den Umgang damit gesprochen worden. „Das war berührend, weil die Erfahrungen der Teilnehmer doch sehr persönlich waren“, schildert Brigitte Christ. Tatsächlich gebe es viele Menschen, die auch Jahre nach dem Tod eines Angehörigen noch tiefen, lähmenden Schmerz empfänden. Das zeige, wie wichtig es sei, Trauer bewusst zu verarbeiten, finden die Ehrenamtlerinnen. Neu ist das Thema für die Frauen nicht, denn über ihre Arbeit als Sterbebegleiterinnen hatten sie schon oft mit der Trauer der Angehörigen zu tun.

www.hospizviersen.de

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