Kempen : Neuer Treffpunkt Musterhaus

Am Birkenweg in der Wartsbergsiedlung geht es um Möglichkeiten der Energieeffizienz. Aber auch das soziale Miteinander soll gefördert werden.

Tönisberg. Vor dem Wohnhaus Birkenweg 8 haben sich Menschen versammelt. Grund dafür ist eine Einladung der Projektorganisatoren zur Besichtigung des Musterhauses und späterem Quartierbüros für den Wartsberg. Überwiegend haben sich Anwohner der zu Tönisberg gehörenden, ehemaligen Zechensiedlung und die Projektbeteiligten eingefunden.

Das Wohnhaus befindet sich noch in einem schlechten Zustand und ist derzeit eine Baustelle — mit Bagger im Garten. Im Rahmen des Quartierprojekts wurde das Objekt von den Stadtwerke Kempen gekauft. Zuvor wohnte dort eine ältere, alleinstehende Dame.

Der Hintergrund: Im November 2015 begann das Projekt mit wissenschaftlichen Untersuchungen der Hochschule Düsseldorf zum Ist-Zustand der Siedlung aus energetischer und sozialer Sicht. Unter der Leitung von Mario Adam, Professor für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, wurden unter anderem Wärmemessungen durchgeführt, um Schwachstellen im Musterhaus aufzudecken. Anhand der Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit dem Kempener Architekturbüro Thelen einzelne Sanierungsmaßnahmen festgelegt.

Geplant ist, dass die Isolierung des Hauses durch eine besonders wirtschaftliche Dämm-Methode verbessert wird. Auf die Hellhörigkeit der Häuser hat das keinen Einfluss. Die Hauptleitungen und Heizkörper werden erneuert und sollen zukünftig über eine Fernwärmeanlage auf dem Zechengelände versorgt werden. „Wir werden mit diesen Maßnahmen nah an den Neubaustandard herankommen“, so Adam gegenüber der WZ.

Zudem sind für das Musterhaus eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Ladestation für Elektroautos vor dem Haus geplant. Ein barrierefreier Zugang zum Erdgeschoss und in den Garten ist ebenfalls vorgesehen. Das Musterhaus soll nicht als Wohnraum dienen und wird nicht vermietet. Vielmehr planen die Verantwortlichen einen Ausstellungsraum rund um das Thema Energietechnik.

Der zweite große Aspekt neben dem Vorbildcharakter in Sachen Energieeinsparung ist das soziale Miteinander in der Siedlung. Unter Federführung von Reinhold Knopp, Professor für Sozialwissenschaften, wurde herausgearbeitet, was für die Bewohner der Siedlung getan werden kann. Vor allem die Mobilität steht im Fokus. „Wir versuchen die Abfahrtszeiten der Busse zu verbessern. Ein Car-Sharing-Projekt mit Elektroautos ist ebenso angedacht“, so Knopp. Im Quartier soll eine Begegnungsstätte für alle Anwohner entstehen. Gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Musizieren oder Fußball gucken wären sehr gut vorstellbar.

Das Ehepaar Paul aus der Siedlung nimmt auch an der Besichtigung teil. „Für uns kommen solche Baumaßnahmen zu spät. So etwas lohnt sich nicht mehr, obwohl die Nebenkosten hoch sind.“ Umziehen kommt für die Eheleute nicht in Frage. „Einmal Wartsberg, immer Wartsberg“, findet der Anwohner.

Der soziale Aspekt findet wiederum Anklang. Reinhold Knopp ist es vor allem wichtig, die unterschiedlichen Bewohner der Siedlung zusammenzuführen. Man wolle keine Konkurrenz zum Vereinsheim aufbauen, sondern eine Wirkung für die Zukunft und andere Siedlungen wie am Wartsberg erzielen.