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Kempen: Alt-Propst Josef Reuter ist gestorben

Nachruf : Alt-Propst Josef Reuter ist gestorben

Am Dienstag ist der ehemalige Propst im Alter von 84 Jahren verstorben. Viele Jahre lang hat er die Kempener Kirchengeschichte mitgeprägt.

. (sk) Als Josef Reuter im März 2003 als Propst von Kempen verabschiedet wurde, durfte er auf eine lange und erfüllte Zeit in der Thomasstadt zurückblicken. „Er wird mir als herausragende Person in Erinnerung bleiben“, sagt Karl-Heinz Hermans, ehemaliger Kempener Bürgermeister, der Reuter sehr gut gekannt hat. „Früher hatten Stadt und Kirche viele Berührungspunkte“, so Hermans. Aber auch persönlich habe man sich gut verstanden. „Er war immer liebenswert und aufrichtig, hat sich für die Menschen eingesetzt. Dadurch habe ich ihn sehr schätzen gelernt.“

Geboren wurde Josef Reuter am 14. September 1936 in Venwegen bei Stolberg, 1963 wurde er im Aachener Dom zum Priester geweiht. 27 Jahre lang hat er die Kempener Kirchengeschichte mitgeprägt: Als Seelsorger war er ein gefragter Gesprächspartner, er förderte das Aufeinanderzugehen der christlichen Konfessionen. Reuter gründete den Thomasverein und wirkte bei der Gründung des Thomas-Archivs entscheidend mit. Sein geschichtliches Wissen und seine Neugierde erwiesen sich für die Stadt und die Propsteigemeinde als Segen: Mit Akribie und einem ausgeprägten Ordnungssinn gab er dem Propsteiarchiv wieder eine Struktur und Nutzbarkeit.

Als Kenner christlicher Kunst fühlte er sich besonders dem Erhalt und der Pflege der Propsteikirche und ihrer Kunstwerke verpflichtet. Auch bei der Neukonzeptionierung der Christ-König-Kirche wirkte er gestalterisch mit. Die bei seinem Dienstantritt ungenutzte Paterskirche konnte Reuter mit der Stadt zu dem machen, was sie heute ist: Ausstellungsort des Niederrheinischen Museums für Sakralkunst sowie gern aufgesuchter Raum für anspruchsvolle Konzerte.

Während seiner Amtszeit lenkte er als Mit-Vorsitzender der Hospitalstiftung die Geschicke des Krankenhauses, erlebte die Erweiterung des von-Broichhausen-Stiftes sowie den Neubau des St. Peter-Stiftes. Seine großen Verdienste würdigte der Kempener Stadtrat mit der Verleihung des Bürgerpreises.

Den Dienst am Nächsten, besonders an den Bedürftigen und Armen, stellte Josef Reuter immer wieder in das Zentrum christlichen Handelns. Vieles geschah im Verborgenen: Die Aufnahme und Integration von Geflüchteten aus Osteuropa und aus Vietnam sowie die Beherbergung von Menschen ohne Obdach waren Schwerpunkte der von ihm geförderten Caritasarbeit. Entwicklungsprojekte in Indien und Brasilien sorgten für weltweite Hilfe. Nicht zuletzt die Weiterentwicklung des St. Annenhofes begleitete Josef Reuter mit Rat und Tat.

Nach seiner Pensionierung wirkte er zunächst in seiner Heimat Venwegen als Subsidiar, 2010 kehrte er in sein geliebtes Kempen zurück und gestaltete seinen Lebensabend – dann mit mehr Zeit für die Gartengestaltung, Reisen und Lesen. Immer half er gerne mit priesterlichen Diensten aus, solange es die Kräfte zuließen.

Am 13. Juli nun ist er im Alter von 84 Jahren verstorben. Bis zuletzt war er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und hielt mit seinen Besuchern immer wieder einen Rückblick auf sein erfülltes Leben. „Ich bin dankbar für ein schönes Leben. Viele liebe Menschen haben mich begleitet“, sagte er noch vor wenigen Tagen zu seinem Nachfolger Propst Thomas Eicker. „Ich konnte ihm, wohl auch im Namen vieler aus Kempen und seines großen Freundeskreises im ganzen Bistum Aachen,  antworten: Ja, auch wir sind Dir, lieber Josef, dankbar für so Vieles und für Deine Begleitung unseres Lebens“, so Propst Eicker.

Die Beisetzung erfolgt am 21. Juli in Stolberg-Venwegen. Totengebet und Auferstehungsamt finden am Vortag, 20. Juli, um 18 Uhr in der Propsteikirche statt. Anmeldung unter Tel. 02152 8971020 oder auf:

gdg-kempen-tönisvorst.de