Wülfrath: Das Aus der „Bauernroute“

Wülfrath: Das Aus der „Bauernroute“

Die Stadt hält an ihrem Abfallkonzept fest. Eine wesentliche Neuerung ab 2011: die freiwillige Biotonne.

Wülfrath. Selten war das Lob so einmütig: Quer durch die Fraktionen ging die Freude über ein "tolles Papier", "eine sehr gute Vorlage" und "eine aufschlussreiche Grundlage": Der Umweltausschuss musste eine Systementscheidung für die künftige Abfallentsorgung Wülfraths treffen. Und das tat er einstimmig.

Zwar läuft der bestehende Entsorgungsvertrag erst 2010 aus. Doch frühzeitig will Wülfrath gut für eine neue Ausschreibung aufgestellt sein. "Wir sind im Zeitrahmen", stellte so auch Tiefbauamtsleiter Hans-Peter Pfeiffer, der den Beschlussvorschlag federführend erarbeitet hatte, fest.

Im Abfallkonzept setzt Wülfrath auf Kontinuität. "Es hat sich bewährt. Wir sollten es nur da weiterentwickeln, wo es sinnvoll ist", so Pfeiffers Tenor, dem die Parteien, aber auch der Seniorenrat beipflichteten. "Für uns ältere Bürger ist das System wirklich gut", betonte deren Vertreter Werner Buckard.

Alle Untersuchungen alternativer Konzepte haben ergeben, dass diese sich nicht rechnen oder das Risiko zu groß ist, was am Ende dem Gebührenzahler teuer zu stehen kommen könnte. Das gilt für eine Rekommunalisierung der Müllabfuhr ebenso wie interkommunale Kooperationen mit den Technischen Betrieben Velbert oder der Stadt Mettmann.

Die Stadt ist zuständig für das Einsammeln und Transportieren des Abfalls - und das wird sie über eine Ausschreibung wieder an einen Partner delegieren, der dann ab 1. April 2011 dafür zuständig sein wird.

Änderungen wird es beim Biomüll geben. So werden Biosäcke abgeschafft. Gestrichen wird auch der Benutzungszwang der Bioabfallentsorgung. Stattdessen wird diese freiwillig sein. Anreiz soll eine kleine 60-Liter-Tonne geben. Und da ist ein Aspekt, auf den Pfeiffer bei der Neuausschreibung besonders achten wird: den Wegfall der sogenannten "Bauernroute".

So werden verwaltungsintern die Fahrten bezeichnet, auf denen die Müllkutscher abgelegene Höfe über holprige Privatstraßen anfahren müssen. In einem Fall müssen 4,8Kilometer für zwei Tonnen zurückgelegt werden. Pfeiffer: "Das ist doch Wahnsinn." Laut Satzung müssten schon heute Privatstraßen nicht befahren werden.

Verärgert zeigte sich Pfeiffer über ein Restmüllgebühren-Ranking des Bundes der Steuerzahler (BdS), das Petra Weskott (Grüne/WWG) als Beispiel für überhöhte Wülfrather Gebühren anführte. Laut BdS hat Wülfrath mit mehr als 490 Euro arg hohe Restmüllgebühren für eine vierköpfige Familie. "Falsch", sagte Pfeiffer.

Der BdS habe eine 120-Liter-Tonne zu Grunde gelegt. "Die reicht in Wülfrath für zwölf Personen." Also müsse die Gebühr durch drei geteilt werden. Dann landet man bei rund 166 Euro - "und Wülfrath liegt im guten Durchschnitt", so Pfeiffer.

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