Projekt in Ratingen: Freiluftkino für West

Projekt in Ratingen: Freiluftkino für West

Um das Image ihres Stadtteils zu verbessern, planten Schüler eine Open- Air-Vorführung – und bekamen spontan viel Unterstützung. Auf der Suche nach Sponsoren liefen die Schüler aber überall offene Türen ein.

Ratingen. Die heutige Jugend hängt nur apathisch vor dem Computer rum, interessiert sich für nichts und niemanden. So weit die Vorurteile. Dass die nicht stimmen, bewiesen die Schüler und Schülerinnen des Sowi-Kurses der Stufe 10 des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG), die zusammen mit ihrem Kurslehrer Heiner van Schwamen gegen Vorurteile kämpfen und positive Akzente für ihren Stadtteil Ratingen-West setzen wollen.

Kurssprecherin Beatrice Zikeli: "Wir möchten die ganzen Menschen hier in West einmal unter einen Hut bringen. Da kam uns die Idee, dass das mit einem Open-Air Kino am besten geht." Der Film war schnell ausgesucht. Er sollte aktuell sein und Jung und Alt gleichermaßen anrühren. Die Wahl fiel auf "Slumdog Millionär", der von einem armen indischen Jungen erzählt, der durch ein Fernsehgewinnspiel reich wird.

Doch die Probleme fingen jetzt erst an. Schnell merkte die Kursgruppe, wie viele bürokratische Hürden für einen Kinoabend unter freiem Himmel zu überwinden sind. Richtig Kopfzerbrechen bereiteten den Schülern die Kosten. Ihre Begeisterung erlitt einen argen Dämpfer, als sie erfuhren, dass allein der Projektor für einen Abend 2000 Euro verschlingt, und die Filmleihgebühr mindestens 500 Euro.

Auf der Suche nach Sponsoren liefen die Schüler aber überall offene Türen ein. So war auch Stadtmarketing-Chef Frank Rehmann begeistert: "Ich finde es gut, wenn junge Leute sich für ihren Stadtteil engagieren. Das unterstützen wir mit 500 Euro."

Ähnlich positiv äußerten sich die LEG, Gabriele Rosslenbroich vom Ratinger Kino, Dr. Marek Filipski als Sprecher des Ärztehauses. Sie alle waren angetan von der Idee, das Image von West aufzupolieren. Auch ihnen ist der Einsatz der Schüler jeweils 500 Euro wert.

Denn von den Einnahmen allein könnte das Projekt nicht finanziert werden. Die Schüler rechnen vorsichtig mit knapp 1500 Euro bei 250 Zuschauern. Während der Filmvorführung werden auch alkoholfreie Getränke ausgeschenkt, Popcorn und kleine Speisen verkauft. So hoffen alle, dass das Projekt noch ein paar Euro Reinerlös abwirft. Die sollen dem pakistanischen Patenkind der Schule zugute kommen.

Der das Projekt begleitende Lehrer Heiner von Schwamen sieht auch einen großen pädagogischen Wert: "Die Schüler lernen bei der Vorbereitung, Verantwortung zu übernehmen. Und das fiel allen bisher mehr als schwer."

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