Die Narren übernehmen das Kommando

Die Narren übernehmen das Kommando

Das gab es noch nie: Ausgelassene Blumenkinder und Hippies campieren im Velberter Rathaus.

Velbert. Der Bürgermeister und seine Mitarbeiter sind unter die Hippies gegangenen. Gestern Nachmittag machten es sich die Blumenkinder im Foyer des Rathauses auf Decken und Liegestühlen bequem, mit einem „Joint“ in der Hand und mit „San Francisco“ von Scott McKenzie in den Ohren. Bürgermeister Dirk Lukrafka war mit der über Nacht gewachsenen Haarpracht kaum zu erkennen. Seine Stellvertreter Emil Weise und Volker Münchow waren ebenso hip und überzeugten mit Stirnbändern, bunten Klamotten und Nickelsonnenbrillen, dazu zogen sie ungeniert an einem dicken Joint.

Prinzessin Sandra I. zum Bürgermeister

Doch das Idyll der rebellischen Jugendkultur wurde jäh durch die närrischen Tollitäten unterbrochen: Prinz Manuel I mit seiner Lieblichkeit Sandra I verlangten nach der Macht im Rathaus. „Was stört Ihr uns beim chillen hier“, empörte sich der Bürgermeister. Bei dem hartnäckigen Verlangens der Tollitäten nach dem Rathausschlüssel setzte der Hausherr auf Flower-Power und zeigte sich kompromissbereit: „Mein Motto lautet ‘Make love - not war´. Wenn Ihr die Titel der Hits aus der Zeit erkennt, soll der der Schlüssel Euer sein.“

Der Narrenadel kannte sich nicht aus, holte sich Rat bei seinem jecken Volk. Unter dem befand sich der eine oder andere, der seinerzeit die druckfrisch erschienenen Singles als pickelige Jugendlicher vom Taschengeld in der Plattenabteilung vom Radio Braam erstanden hatte.

Ein gut informiertes Volk ist Gold wert. Der Bürgermeister rückte seinen Schlüssel raus, stolz vom Prinzen den Untertanen präsentiert. Da an Weiberfastnacht auch ein Karnevalsprinz nichts zu sagen hat, dankte Sandra höflich und schickte die Verwaltung in den Urlaub: „Lieber Dirk, Du kannst jetzt bis nächste Wochen abchillen.“ Doch zuvor wurde kräftig gefeiert: „Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick“, dröhnte es aus den Lautsprechern.

Trotz der drangvollen Enge des Foyers fand sich immer für die kostümierten Narren ein Plätzchen zum Tanzen und Schunkeln, dass die Wände wackelten. Am Rande der Party verriet eine Mitarbeiterin des Bürgermeisterbüros, dass man anfangs überlegt hatte, dem Prinzenpaar eine andere Aufgabe zu stellen, damit der Rathausschlüssel rausgerückt wird. „Die sollten einen Joint rauchen. Aber was ist, wenn denen schlecht wird, also haben wir das gelassen und uns die Sache mit den Schlager aus der Flower-Power-Zeit ausgedacht.“

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