Mettmann: Gisela Winzer ist die schnellste Oma Mettmanns

Mettmann: Gisela Winzer ist die schnellste Oma Mettmanns

Die Sportwartin des Stadtsportverbandes hat am Montag die Sportabzeichenverleihung 2008 durchgeführt. Sie selbst hat das Goldene Abzeichen zum 40. Mal geschafft.

Mettmann. "So lange die Familien jung sind, haben sie keine Zeit. Und außerdem halten jüngere Leute es nicht für nötig, zu zeigen, was sie können." Gisela Winzer (63) weiß, wovon sie spricht. "Meine Tochter hat mir gesagt, dass sie sich nichts beweisen müsste, als ich sie mal aufs Sportabzeichen angesprochen habe."

Gisela Winzer ist das egal. Sie hat sich ganz dem Sport verschrieben - und im vergangenen Jahr zum 40. Mal das Goldene Sportabzeichen geschafft. Stolz ist sie darauf. "Mir macht das einfach Spaß. Und ich finde es überhaupt nicht blöd, das Sportabzeichen jedes Jahr zu wiederholen", sagt sie.

Am Montagabend verlieh Gisela Winzer als Sportwartin des Stadtsportverbandes die Goldenen Sportabzeichen im Clubheim des THC Mettmann. Sie ehrte weniger Sportler als in den Jahren zuvor. 72 Erwachsene und fünf Jugendliche haben die sportlichen Prüfungen 2008 geschafft. "Es ist deutlich weniger geworden", sagt die Sportwartin.

Seit über 30 Jahren steht sie jedes Jahr bei Wind und Wetter auf dem Platz, um die Leistungen der Sportabzeichen-Teilnehmer zu messen und zu stoppen. Mit vielen, die wie sie jedes Jahr neu antreten, ist Gisela Winzer längst per "Du".

Manfred Gerling, der "Vater" des TSV Metzkausen, der 1965gegründet wurde, sprach Gründungsmitglied Gisela Winzer in den 60er-Jahren an. "Wir brauchen im Verein Leichtathletik", sagte er mir. Es war die Zeit, als das Deutsche Sportabzeichen auch noch junge Menschen auf die Plätze lockte.

Fortan ging Gisela Winzer jedes Jahr mit gutem sportlichen Beispiel voran. "Ich habe mit dem Abzeichen nur 1973 und 1975 nach der Geburt meiner Töchter ausgesetzt."

Nach der Geburt ihres Sohnes wollte sie nicht schon wieder ein Jahr aussetzen und meldete sich wieder fürs Sportabzeichen an. Seitdem sammelt sie Abzeichen und Urkunden wie andere Briefmarken.

Der Sport ist für die energiegeladene und drahtige Frau zu einer Art Lebenselixier geworden. Selbst zur Sportabzeichenverleihung ist sie am Montagabend mit dem Rad durch den Schneematsch zum Stadtwald gefahren. "Mit Spikes", sagt sie und grinst.

Die braucht sie, um ihr Pensum auch im Winter runterspulen zu können. Ich fahre jeden Tag 30 Kilometer, das sind 10000 im Jahr." Und wenn sie nicht auf dem Rad sitzt, spielt sie Tennis, macht Gymnastik bei Mettmann-Sport oder geht Schwimmen.

Im Tennis-Club Metzkausen (TCM), in dem sie Mitglied ist, aber auch beim Mettmanner Tennis-Club (MTC ’80), in dessen Halle sie im Winter den Ball übers Netz drischt, genießt sie den Ruf, die schnellste Oma von Mettmann zu sein. "Weil ich oft noch Stoppbällekurz hinter dem Netz erlaufe."

Im vergangenen Jahr wurde Gisela Schlüter sieben Stunden lang an einem Gehirntumor operiert. Alles lief gut. "Nach drei Tagen war ich wieder aus dem Krankenhaus, drei Tage später auf dem Tennisplatz und nach zehn Tagen bin ich wieder Rad gefahren."

Weil sie nach der OP keine Reha bekam, "bin ich dann in den Skiurlaub gefahren. Ich liebe es, rasant die Berge hinunter zu sausen."

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