Wülfrath/Haan : Der Steinbruch als Abenteuerschauplatz

Die Steinbrüche im Kreisgebiet sind zur Kulisse für die unterschiedlichsten Events geworden.

Ein Gerangel zwischen zwei Typen. Der eine wirft den anderen auf eine Matratze und verschwindet in die Nacht. Direkt nebenan: Die Steinbruchkante. Ringsum ein Gewusel von Leuten mit Kabeln in der Hand und mittendrin die Kamera. Würde nicht einer irgendwann die legendäre Klappe in der Hand halten – man wüsste nicht genau, wann jetzt eigentlich was passiert. Am Ende ist die Matratzen-Szene im Kasten und nach beinahe 48 Stunden Nonstop-Wochenend-Filmdreh können in der Grube Osterholz der Kalkwerke Oetelshofen wieder die Bagger rollen. Längst ist das, was dort jenseits des Firmenalltags zuweilen Halt macht, ganz großes Kino. Wim Wenders, Elton und Frederik Lau: Sie alle haben hier schon mal über die Klippen geschaut. Immer mittendrin: Till Iseke, der mit seiner Firma „DeinSteinbruch“ die Grube der Kalkwerke Oetelshofen an der Haaner Stadtgrenze als Eventschauplatz vermarktet. Und all das quasi bei laufendem Betrieb, denn noch wird dort Kalkstein abgebaut.

Auf Schotterpisten im Steinbruch zur Entschleunigung unterwegs

Ein paar Kilometer weiter lädt Dag Rogge dazu ein, mit dem Land Rover über die Schotterpisten zu rumpeln. Bergauf und bergab: So geht das bei Land Rover Experience im stillgelegten Rheinkalk-Steinbruch in Wülfrath nun schon seit 20 Jahren. Damals hatte Rogge das Gelände von den Kalkwerken gepachtet und nach ein paar Debatten mit Umweltschutzbehörden waren die bürokratischen Hürden schnell aus dem Weg geräumt. Stattdessen wurden Hindernisse aufgebaut, Pisten präpariert und Wasserlöcher angelegt. Ach ja, dann ist da auch noch diese extreme Schräglage. Schaut man als Beifahrer aus dem Fenster, sind feuchte Hände garantiert. Dieser Ausblick in den Wassertümpel direkt vor Augen, man wird irgendwohin gedrückt – es fehlt nicht viel und das 2200 Kilo-Gefährt kippt zur Seite. „Wir entschleunigen die Leute hier“, erzählt Instruktor Dieter Neldner von seinen Erfahrungen. Man weiß gleich, was er damit meint – wer will schon mit einem geplatzten Reifen festhängen, weil ein scharfkantiger Stein im Weg lag. Oder mit durchdrehenden Rädern im Sandberg stecken bleiben. Von Dieter Neldner ist dazu zu hören: „Ein guter Off-Road-Fahrer schaltet sein Hirn ein“. Was soviel heißt wie: Man muss die Strecke lesen können und bei Hindernissen nicht einfach drauflos fahren ohne vorher auszusteigen, um die Lage zu checken. Dazu gehört, nicht einfach rücksichtslos durch die Natur zu brettern. Übrigens: Bei Land Rover dürfen sich schon Elfjährige ans Steuer setzen. Seit zwei Jahren gibt’s dort auch das Fahrtraining für elf bis 17-Jährige.

Wunderbare Einblicke in einen Steinbruch, den sich die Natur nach dem Ende des Kalksteinabbaus zurückerobert hat, bekommt man auch im Bochumer Bruch in Wülfrath. Hier ist es der Deutsche Alpenverein, der das Gelände von Rheinkalk gepachtet hat. Die eingezäunte Grube ist bei Kletterern beliebt, die dort ein sportliches Abenteuer suchen. Und am Ende lockt der Zeittunnel – ein ungewöhnlicher Ausstellungsort im ehemaligen Abbautunnel des Bochumer Bruchs. Dort lernt man 400 Millionen Jahre Erdgeschichte mit allen Sinnen kennen. Mit bunten Zeitfenstern, Vitrinen und Filmen ist der Tunnel ein Rundum-Erlebnis für die ganze Familie. Der Steinbruch als Event-Schauplatz? Das gibt es auch in Ratingen. Der Blaue See ist eine Vorzeigeidylle am Stadtrand, umringt von einem waldreichen Landschaftsschutzgebiet. Die Naturbühne ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und der See im Eingangsbereich kann mit Bötchen befahren werden. Dazu ist der Blaue See auch noch ein Eldorado für Taucher – dort gibt es sogar noch einen alten Stollen, in dem getaucht werden kann.

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