Oldtimer: „Es sind halt Italiener, die rosten schnell“

Oldtimer: „Es sind halt Italiener, die rosten schnell“

Zwei Jahre lang hat Michael Wachsmann seinen roten Alfa Romeo Junior Zagato mit professioneller Hilfe restauriert.

Haan. Die Wahrheit über den roten Alfa Romeo Junior Zagato kam erst ans Licht, als Michael Wachsmann den Oldtimer komplett zerlegt hatte. „Der Wagen hatte einen Unfall, war fünf Zentimeter kürzer als er eigentlich sein sollte“, sagt der 52-Jährige und muss bei der Erinnerung an diese Entdeckung immer noch schmunzeln. „Die Vorbesitzer haben das Heck mit Bauschaum ausgefüllt, es modelliert und überlackiert. Das hat man nicht gesehen“, sagt er.

Zwei Jahre lang hat Wachsmann mit professioneller Hilfe an der Restaurierung des 40 Jahre alten Schätzchens gearbeitet. „Die Stoßstange stammt von einem anderen Modell. Das Original ist zierlicher, aber das habe ich noch nicht gefunden“, sagt er.

Seine Liebe zu dem Italiener entbrannte während des Studiums. Für 6000 D-Mark hat er sich seinerzeit das gleiche Modell in Grün gekauft. „Das war damals einfach ein alter Gebrauchwagen“, sagt Wachsmann und gibt zu: „Er war vielleicht ein bisschen auffällig.“ Aber umgedreht habe sich nach dem Zagato Ende der 1970er-Jahre niemand. Mit Töchterchen Inge im Körbchen auf dem Rücksitz wurde er dann später sogar zum Familienauto.

Als die Eheleute Wachsmann den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, wurde ein Mitsubishi-Bus als Firmenwagen angeschafft — und der Zagato in der Garage abgestellt. „Ich konnte mich nicht trennen“, erinnert sich der Elektro-Ingenieur. Irgendwann habe er ihn dann doch verkauft, an einen Haaner. „Ich habe die Geschichte meines Autos verfolgt“, sagt Wachsmann. Der neue Besitzer hat den Wagen komplett zerlegt und wollte ihn restaurieren. „Ob er wieder zusammengesetzt ist, weiß ich allerdings nicht“, sagt Wachsmann.

Die Erinnerung an dieses Auto ließ ihn jedenfalls nicht los. Vor fünf Jahren begann Wachsmann, wieder nach einem Zagato zu suchen. „Wenn man älter wird, kommt der Spieltrieb wieder durch“, sagt er und lacht. Er habe versucht, seinen alten grünen Wagen zurückzukaufen, hat dann aber das rote Exemplar gefun- den. „Ich habe eine Anzeige in der Zeitung gesehen, mir den Wagen angeschaut und gekauft“, sagt Wachsmann. Heute ist der Zagato eine Rarität. Knapp 1100 Modelle wurden verkauft, zwischen 300 und 500 gibt es heute noch weltweit. „Es sind halt Italiener, die rosten schnell“, sagt Wachsmann. Im Gegensatz zu einem Ferrari lasse sich mit diesen Modellen auch kein Geld verdienen. Es sind Liebhaber-Autos, die von ihren Besitzern restauriert und nicht mehr hergegeben werden.

Die Optik, die Form, die italienische Klassik gefalle Wachsmann an dem Auto: „Das passt alles, egal, ob man es von vorne, von der Seite oder von hinten anschaut.“ Im Haaner Straßenverkehr der rote Zagato nur selten zu sehen. „Wir fahren nur bei schönem Wetter. Den Regen versuchen wir zu vermeiden, denn ich will ja noch lange etwas von dem Wagen haben“, sagt Wachsmann.

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