Schüler erleben Klimaschutz zum Anfassen

Schüler erleben Klimaschutz zum Anfassen

Experimente bringen Leben in den Unterricht der Realschule. Fast nebenbei fördern sie Umweltbewusstsein bei den Jungen und Mädchen.

Erkrath. Das ist ungewohnt: Physiklehrerin Natascha Pellegrini darf heute einmal ihren Unterricht an einen externen Kollegen abgeben, sich gemütlich am Rande des Klassenzimmers hinsetzen und zuschauen. Vor der Klasse 5a steht Carsten Schulz, Referent der Deutschen Umwelt-Aktion (DUA), und stellt den Kindern die Frage: „Wo kommt unsere Energie überhaupt her?“ Die Klasse 5a darf mit eigenen Augen mitverfolgen, wie Wärmeenergie in Bewegung umgesetzt wird.

Ulrike Stamm-Kopplow, Rektorin

Carsten Schultz hat eine winzige Dampfmaschine mitgebracht: einen Kessel mit filigranen Röhrchen, einem Kolben und einer kleinen Glühlampe. Die Kinder arrangieren einen Stuhlkreis, dann steht die Apparatur schon in der Mitte auf einem Tisch. Eine Schülerin darf Wasser in den Kessel gießen und Carsten Schultz zeigt den Kindern ein weißes Material: „Das ist unsere Energiequelle. Wisst ihr denn, womit in Deutschland unser Strom am meisten erzeugt wird?“ Ein Schüler ruft „Wasser“ hinein. Das wäre eine Traumvorstellung, scherzt Schultz, aber nein, es sei die Kohle.

Der weiße Anzünder fungiert nun als Kohleersatz, als Schultz ihn anzündet und unter dem Kessel drapiert. Nach wenigen Augenblicken beginnt es zu rauschen und der Kolben beginnt sich zu bewegen. „Wie bei einer alten Dampflokomotive!“, kommentiert ein Schüler. Der Kolben wiederum überträgt die Bewegungsenergie auf einen winzigen Generator und dann erstrahlt die kleine Glühlampe. Die ganze Klasse stößt einen erstaunten Laut aus. Und auch Physiklehrerin Natascha Pellegrini muss lächeln.

Seit 2013 profitieren Fünft- bis Achtklässler in Erkrath vom Unterricht zum Thema „Erneuerbare Energien“. Was genau bedeutet Klima? Und welche Auswirkungen bringen Klimaveränderungen mit sich? Was sind Emissionen und wie können sie verringert werden? Und welche erneuerbaren Energien gibt es? Diese Fragen möchte Carsten Schultz in mehreren umweltpädagogischen Lerneinheiten beantworten. Er vermittelt sein Wissen über Umwelt und Energie altersgerecht an den weiterführenden Schulen in Erkrath weiter.

So auch in der städtischen Realschule: „Wir bringen Leben und Spannung in den Schulalltag“, sagt Rektorin Ulrike Stamm-Kopplow: „Carsten Schultz bringt praxisorientierten Input mit, der sich wunderbar in den Unterricht von Natascha Pellegrini und weiteren Lehrkräften einfügt.“ Der Umweltexperte ist seit fast zehn Jahren mit den Lerneinheiten in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs. Seiner Erfahrung nach besteht das Interesse der Schüler mehrheitlich bei zukunftsweisenden, innovativen Technologien.

Themen wie Kraft-Wärme-Kopplung dagegen haben sich bisher in vielen Schulen schlecht bewährt, meint Schultz. Sein Unterricht wird von den Stadtwerken Erkrath finanziert. „Wir fühlen uns in der Verantwortung, umweltgerechtes Handeln bei jungen Menschen zu fördern“, erklärt Gregor Jeken, Geschäftsführer der Stadtwerke: „Deshalb unterstützen wir den Umweltunterricht finanziell.“

Für das laufende Jahr haben sich rund 15 Klassen für den Projektunterricht angemeldet, sagt Petra Behrens, Sprecherin der Stadtwerke.

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