Gedenksteine: „Der Stolperstein soll blitzen“

Gedenksteine: „Der Stolperstein soll blitzen“

Waltraud Servos und Uwe Koopmann wollen Schülern Geschichte nahebringen.

Erkrath. „Wir sind der Auffassung, dass ein einmaliger Akt des Gedenkens durch die Stolperstein-Verlegung gut ist — aber eine Verinnerlichung damit wohl noch nicht erreicht wird“, sagen Waltraut Servos und Uwe Koopmann. Um an die Opfer des NS-Terrors in Erkrath zu erinnern, haben sich die beiden mit Vertretern aus der Politik am Mittwoch an der Schlüterstraße getroffen. Hier legten sie eine Blume nieder.

Dass dieser Ort gewählt wurde, ist kein Zufall. Dort lebte bis zu seiner Verhaftung Emil Schmidt, 1884 geboren, 1933 verhaftet und „aufgrund von Indizien verurteilt, das genügt heute, um einem Kommunisten den Kopf abzuschlagen“, wie der damalige Leiter der KPD in Erkrath in einem Abschiedsbrief an seine Familie formulierte. Der Brief ist durch Waltraut Servos erhalten, seine Enkeltochter.

Zusammen mit Koopmann, damals Geschichtslehrer, inzwischen pensioniert, entwickelte die Erkratherin die Idee, an ihren ermordeten Großvater mit einem sogenannten Stolperstein zu erinnern. „Anlässlich des Todestages am 27. März wollen wir diesen Stein jetzt blank putzen. Er soll blitzen und glänzen und Aufmerksamkeit erregen“, sagen beide zu der Aktion. Der handtellergroße Stein lugt ein wenig aus dem ebenen Boden hervor, die obere Seite des Betonkubus ist mit einer Platte aus Messing versehen. Darin sind nun wieder gut leserlich Geburtsdatum, Jahr der Verhaftung sowie der 27. März 1934 — der Tag der Hinrichtung — eingraviert.

Weitere Mahnmale gleicher Art sind für Otto Lukat sowie Peter Hupertz, die bis zu ihrer Verhaftung am Rathelbecker Weg 17 beziehungsweise 11 lebten und ebenfalls im März 1934 hingerichtet wurden, errichtet worden. „Es ist schade, dass der Gedenktermin ausgerechnet in die Osterferien fällt“, sagt Koopmann.

Seine erklärte Absicht ist es, Schulen vor Ort mit in das politisch-historische Umfeld des Erinnerns einzubinden. „Will man den Spruch ‚Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir’ wirklich mit Inhalt füllen, muss eine didaktische Vermittlung an konkreten Beispielen stattfinden“, sagt der 66-Jährige.

In der Vergangenheit gelang es ihm, Schüler des Gymnasiums zu interessieren. Die Reden anlässlich der Enthüllungen der Stolpersteine wurden von Gymnasiasten gehalten. „Was waren das für Leute, und in welcher Pflicht sind wir heute“, waren Themen der Vorträge, erinnert sich Koopmann. „Wenn die Schüler zum Beispiel eine Patenschaft für einen Stein übernähmen, fände eine noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Menschen, der Zeit, in der er lebte, und den politischen Umständen seines Todes statt.“

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