Die Städte im Kreis schrumpfen – nur Ratingen wächst weiter

Die Städte im Kreis schrumpfen – nur Ratingen wächst weiter

Laut IT-Institut verliert der Kreis bis 2030 sechs Prozent seiner Bevölkerung.

Mettmann. "Das sind keine angenehmen Zahlen", bestätigt der Pressesprecher des Landesbetriebs Information und Technik NRW (IT.NRW), Leo Krüll. Allerdings seien sie auch nicht in Stein gemeißelt. "Schließlich erheben wir keinen Anspruch darauf, dass unsere Prognosen so und nicht anders eintreffen."

Wenn die Statistiker aus Düsseldorf Recht behalten, droht dem Kreis Mettmann in Zukunft jedenfalls ein gewaltiger Einwohnerrückgang - von 502 045 im vergangenen Jahr auf 471 855 im Jahr 2030, was einem Minus von sechs Prozent entspricht. "Wie gesagt: Das muss nicht sein", betont Krüll. "Schließlich kann vor allem die Politik dagegensteuern - was im Übrigen auch ein Nebeneffekt solcher Erhebungen sein kann: der Anreiz, einen sich abzeichnenden Negativtrend aufzuhalten."

Im Kreis sollte dieser Anreiz entsprechend groß sein, denn bis auf Ratingen mit einem Plus von drei Prozent schrumpfen die anderen neun Städte mehr oder weniger stark (siehe Info-Kasten). Ganz übel erwischt es laut IT-Prognose Velbert (-16,5%) und vor allem Wülfrath. Die mit 21 610 Einwohnern (Stand 2008) sowieso schon kleinste Stadt im Kreisgebiet würde demnach auf 15 460 Köpfe (-28,5%) zurückgehen.

Über die Gründe, warum einzig und allein Ratingen Einwohner gewinnt und der Rest durch die Bank verliert, lasse sich laut Krüll nur mutmaßen. "Das hat in jeder Stadt andere Gründe", so der Experte, der Stichworte wie "Wohnqualität", "Arbeitsperspektiven", "Infrastruktur" oder auch "Einrichtungen für Kinder" nennt. Im Ratinger Fall , mutmaßt Krüll, könnte es die direkte Nachbarschaft zu Düsseldorf sein. "Und die Tatsache, dass Ratingen am ehesten selbst so etwas wie Großstadtflair hat."

"Wir legen Daten wie Geburten, Sterbefälle, Fort- und Zuzüge zugrunde und projizieren sie in die Zukunft", erklärt Krüll. Wenn dann noch berücksichtigt werde, dass NRW-weit die Nachfrage nach Wohnraum in den Großstädten - insbesondere in denen mit Unis - steige, dann gehe das Szenario schon in die prophezeite Richtung.

"Früher wollten die Leute raus aus den Städten. Sie zogen aufs Land und pendelten zur Arbeitsstätte. Das hat sich umgekehrt. Denn das Pendeln ist zu teuer geworden. Jetzt wird geschaut, wieder in der Nähe der Arbeitsstelle zu wohnen." Als zusätzliche Folge würden die kleineren Städte und Regionen überaltern und damit den demografischen Wandel forcieren. Krüll: "Während die großen Citys die jungen Arbeitskräfte gewinnen, bleiben die älteren Bürger in ihrer alten Heimat."

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