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Schweigegang erinnert an Zerstörung der Synagoge

Schweigegang erinnert an Zerstörung der Synagoge

Mit einem ökumenischen Gottesdienst erinnert Pfarrer Hudasch an die Pogromnacht in Uerdingen. Er regt zum Nachdenken an.

Uerdingen. Eine Mahnung mit gesellschaftlich aktuellem Bezug. Am Freitagabend hat die Gemeinde der Michaelskirche an die Reichspogromnacht vor 79 Jahren erinnert. Pfarrer Dieter Hudasch eröffnete den kurzen Gottesdienst mit klaren Worten ehe das jiddische Lied „Donna Donna“ durch die Kirche hallte. Ein Kalb, das nicht vermag, sich gegen die eigene Schlachtung zu wehren, symbolisiert das Leid, dem die jüdische Gemeinde zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs ausgeliefert war. Statt wie eine Schwalbe in die Freiheit zu fliegen, ergibt sich das Kalb seinem Schicksal. In wenigen Worten berichten die Schüler des Stadtpark-Gymnasiums, die die Gedenkfeier mitgestalten, von beispielhaften Tragödien und der Geschichte der „Endlösung“.

Das herbstliche Zusammenspiel aus Sturm und Sonnenuntergang bildet die passende Kulisse am frühen Abend, um sich die schattenhafte Vergangenheit unseres Landes und auch der Stadt Krefeld vor Augen zu führen. Die Schäden des schier unmenschlichen Handelns in der Nacht des 9. November 1938 sollen noch lange im Gedächtnis bleiben. In jener Reichspogromnacht, die sich unter der Führung des nationalsozialistischen Propagandaministers Joseph Goebbels wie ein Lauffeuer in Deutschland verbreitete, wurden Synagogen, Geschäfte und Wohnungen durchsucht, verwüstet und in Brand gesteckt. Unzählige Juden wurden in der Nacht vor 79 Jahren verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Viele andere ergriffen nur wenige Tage später die Flucht aus Deutschland.

Die menschenverachtenden Taten der NSDAP waren der Anfang des Holocausts. Auch Krefeld blieb von den Ereignissen des 9. Novembers, welche die Uerdinger Synagoge erst einen Tag später ereilte, nicht verschont.

Die Uerdinger Michaelskirche erinnerte am gestrigen Freitag, wie schon in mehr als 20 Jahren zuvor, an die Geschehnisse. Pfarrer Hudasch, der den ökumenischen Bußgang organisiert, unterstreicht die Relevanz in der heutigen Zeit: „Wir wollen mit dem Gang nicht nur zum Erinnern, sondern auch zum Nachdenken anregen. Man muss sich auch jetzt noch die Taten vor Augen halten und sich klarmachen, dass Religions-, Fremden- und Ausländerfeindlichkeit aktuelle Themen sind.“

Hudasch zündete sechs große Kerzen an, die stellvertretend für die sechs Millionen ermordeten Juden während der NS-Zeit stehen. Dann bat er vor die Kirche. Als sich die Gemeinde, die von einer Klasse des Stadtpark-Gymnasiums sowie einem Religionskurs unterstützt wird, auf den Weg macht, herrscht eine bedächtige Stille. Die Gruppe schreitet zur Gedenkplatte, die anlässlich des 50. Jahrestages aus Spenden der Uerdinger Gemeinde gefertigt wurde. Zunächst auf dem Fußboden ausgelegt, hängt das mahnende Metall mittlerweile an einer Wand. „Auf dass es uns ein Mahnmal sein wird“, beendet Hudasch den Marsch.