Nachgehakt: Schulreinigung: Hohe Anforderungen, kein Geld

Nachgehakt : Schulreinigung: Hohe Anforderungen, kein Geld

Kritik an mangelhafter Schulreinigung: Betroffene, Gewerkschaft, Innung und Politiker suchen nach Verbesserungen.

Krefeld. Die Kritik an dem teils miserablen Zustand in öffentlichen Gebäuden — vor allem verdreckte Toiletten und mangelnde Sauberkeit in Schulen — reißt nicht ab. Die Reinigungskraft Elke Daun hatte in der WZ öffentlich gemacht, wie es ist, wenn mehr Leistung von weniger Personal in kürzerer Zeit verlangt werde.

Außerdem sei die Ausstattung unzureichend. „Ich habe 20 Wischer, bräuchte aber 60, und Poliermaschinen stehen uns gar nicht mehr zur Verfügung.“ Wie, so fragt sie, sollen unter diesen Bedingungen Schulen und Kitas sauber und gepflegt sein?

Dass das nicht möglich ist, bestätigt ein Schulhausmeister: Die Putzmopps seien kleiner geworden, und weil keine Reinigungsmaschinen verfügbar seien, würden die Böden nur noch gewischt. „So werden sie stumpf.“ Die Aufträge hätten „Theoretiker im Büro“ erdacht und vergeben, sie würden der Situation nicht gerecht. „Schulgebäude werden mittlerweile rund um die Uhr und sehr intensiv genutzt.“ Zwischenreinigungen seien gar nicht vorgesehen.

Auch die Gebäudereiniger-Innung sieht das Problem in der Ausschreibung der Leistung. „Findige Kalkulatoren“ könnten in der Bewertung zwar weit oben landen, aber „Preisdumping und in Folge auch Zeitkürzungen werden Tür und Tor“ geöffnet. Das sei vermeidbar — sofern der politische Wille da sei, eine Ausschreibung so zu gestalten, dass das Ergebnis den Ansprüchen genüge, stellt Thomas Schmitz, Obermeister der Gebäudeinnung, fest.

Da setzen auch die Linken an. CDU, SPD und Grüne hätten die Einsparung von 300 000 Euro pro Jahr in diesem Bereich beschlossen und seien für die missliche Lage verantwortlich. Insofern habe die Stadt Krefeld die „prekären Arbeitsbedingungen“ überlasteter Reinigungskräfte zu verantworten.

Änderungen im System fordert die FDP. Sie schlägt vor, die Ausschreibung künftig so zu gestalten, dass nicht nur der Reinigungserfolg, sondern auch das Stundenkontingent festgelegt wird und kontrolliert werden kann. Joachim C. Heitmann: „Die Stadtverwaltung müsste die Stundenzahl steuern, damit die Unternehmen die Reinigungskräfte nicht so durch die Gebäude jagen.“

Die Neuregelung habe zum Ziel, dass nicht immer nur die billigsten Anbieter die Aufträge erhielten. Entschieden ist darüber noch nicht: Die Verwaltung will juristisch prüfen, ob eine entsprechende Gestaltung von Ausschreibungen möglich ist. Greifen wird das frühestens zum 1. Juli 2017. So lange laufen die Verträge — mit einer Option auf zwei Jahre Verlängerung.

Mehr von Westdeutsche Zeitung