Frischer Wind im Filmmuseum

Frischer Wind im Filmmuseum

Gespräch: Bernd Desinger will das Haus international stärker vernetzen.

Düsseldorf. Roman Polanski wird wohl nicht am 26. Februar zur Ausstellungseröffnung nach Düsseldorf reisen können, obwohl er ursprünglich Interesse daran geäußert hatte. Er sitzt in der Schweiz in Hausarrest, während das hiesige Filmmuseum ihm eine Ausstellung widmet: die erste große Schau unter dem neuen Leiter des Filmmuseums, Bernd Desinger.

Er hat ein gutes Händchen bewiesen, gerade Polanski eine Ausstellung zu widmen. Nicht nur besteht sowieso eine erhöhte Aufmerksamkeit in Sachen Polanski. Zusätzlich - und das ist viel wichtiger - läuft sein neuer Film "Der Ghostwriter" auf der Berlinale und startet morgen bereits in den deutschen Kinos. Auch in der die Ausstellung begleitenden Filmreihe in der Black Box wird das aktuelle Werk zu sehen sein. "Das ist eine große Ausnahme für ein Filmmuseum", sagt Bernd Desinger.

Der Regisseur und Schauspieler Polanski steht im Mittelpunkt der Schau, die gemeinsam mit polnischen Museen und der Filmhochschule Lodz entstanden ist. Das ist programmatisch für Desinger: Er will künftig das Filmmuseum stärker international vernetzen und dafür sorgen, dass die Ausstellungen, die hier entwickelt wurden, auch an anderen Orten im In- und Ausland zu sehen sind.

"Das Filmmuseum Düsseldorf soll als Marke durch Ausstellungen in höchster Qualität bekannter werden", sagt Desinger, der nach fünf Jahren am Goethe-Institut in Los Angeles nun wieder nach NRW zurückgekehrt ist. Dafür sind Kooperationen gefragt mit großen deutschen (Film-)Museen, aber auch mit internationalen Partnern. Die will der neue Düsseldorfer Filmmann dank seiner Kontakte in der Filmszene weiter ausbauen.

Auch der "Filmtalk Düsseldorf" soll sich zu einer festen Einrichtung entwickeln. Desinger will Filmschaffende "mit internationaler Strahlkraft" für Diskussionsrunden nach Düsseldorf einladen. Generell sollen häufiger Experten in die Vorstellungen in der Black Box einführen, was sehr gut beim Publikum ankommt.

Der neue Museums-Chef will jüngere Zielgruppen an die Schulstraße holen, dafür ist u.a. das "Zertifikat für Cineasten" gedacht. Wer in einem Quiz Fragen zu bestimmten Filmen im Programm der Black Box beantworten kann, gewinnt Freikarten.

Zunächst steht jedoch Ende Februar die Eröffnung des Studios FX (FX steht für Special Effects) in dem neu angemieteten Galerieraum an. Dort werden auch Teile der Ausstellung zu Christoph Schlingensief zu sehen sein, die Anfang März zu Ehren des Käutner-Preisträgers eröffnet. Hauptsächlich jedoch dient der Raum den Workshops und Fortbildungen für junge Leute, die sich auch in professioneller Weise für Film interessieren.

AUSSTELLUNG: Roman Polanski: Regisseur und Schauspieler. 27.Februar bis 16.Mai, Filmmuseum, Schulstr.4.

FILMREIHE in der Black Box, Filmmuseum, Start: 9. April, 20 Uhr, 11. April, 17.45 Uhr, 13. April, 20 Uhr: "Tess". Es laufen noch "Piraten", "Frantic", "Bitter Moon", "Der Tod und das Mädchen", "Die neun Pforten", "Der Pianist", "Oliver Twist" und "Ghostwriter" sowie ein "Polanski-Special".

DESINGER ÜBER....

den Film, dener mit auf eine einsame Insel nehmen würde"Schwierige Frage. Da fallen mir so viele ein. Einer wäre sicher ,2001- Odyssee im Weltraum’. Aber vielleicht auch ,Lost Highway’ oder ,DieNibelungen’."

die Anzahl der Filme, die er in seiner Filmsammlung hat "So umdie 1200. Ich halte es mit Nietzsche, der sagte: Ein gutes Buch darfman nicht leihen, man muss es besitzen. Das übertrage ich aufgroßartige Filme. Ich habe größere Sammlungen zu Western, zuScience-Fiction, zum asiatischen Film, aber auch zu großen Klassikern."

Die Lieblingsregisseure, von denen er alle Filme besitzt "VonKubrick, Lynch und Polanski, aber auch von deutschen Regisseuren wieWim Wenders, Werner Herzog oder Tom Tykwer. Selbst von Roland Emmerichhabe ich alles."

seinen aktuellen Lieblingsfilm ",Das weiße Band’ fand ichsehr interessant, wie überhaupt alles von Michael Haneke. ,Caché’ fandich großartig."

die Filmdiva, mit der er gerne mal essen gehen würde "KateWinslet. Weil sie vielleicht am wenigsten eine Diva ist. Sie ist einegroßartige Schauspielerin, wirkt aber total natürlich und besitztüberhaupt keine affektierte Attitüde."

den peinlichsten Lieblingsfilm "Vielleicht ,Staplerfahrer Klaus’."

den Film, den er am häufigsten gesehen hat ,Citizen Kane’, ,Chinatown’ und ,Spiel mir das Lied vom Tod’.

Mehr von Westdeutsche Zeitung