Düsseldorf-Eller: Ein neuer Haarschnitt für den Neuanfang

Düsseldorf-Eller : Ein neuer Haarschnitt für den Neuanfang

20 Friseure aus Eller und Umgebung frisierten Flüchtlinge an der Heidelberger Straße kostenlos.

Düsseldorf. Sebie Kunmekay (40) aus Albanien steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben: Seit vielen Wochen kann sie wieder mal den ganzen Tag lächeln, ihre Haare trägt sie heute offen. Gespannt wartet sie darauf, dass endlich ein Platz am Friseurtisch frei wird. Vor knapp vier Wochen ist sie nach Deutschland gekommen, ihr letzter Friseurbesuch ist ein halbes Jahr her. „Ich fühle mich hässlich und ungepflegt“, sagt sie.

Das hat für sie und die anderen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Heidelbergerstraße ein Ende: 20 Friseure aus und um Eller kamen am Sonntag mit Kamm und Schere in die Unterkunft, um die Flüchtlinge mit einem neuen Haarschnitt zu überraschen.

Die Idee dazu hatte Sally Exner (25) aus Düsseldorf. Die Friseurgesellin wollte helfen — und dabei ihr Können einbringen. Dann kam ihr die Idee, den Flüchtlingen einen neuen Haarschnitt anzubieten. Über die Werbegemeinschaft IndividuEller ist sie dann mit dem Deutschen Roten Kreuz in Kontakt gekommen. „Jeder freut sich über eine neue Frisur. Die steht für eine Typveränderung und damit für einen Neuanfang“, erklärt sie.„Das ist genau die Situation, in der sich diese Menschen gerade befinden.“

Eine neue Frisur nach deutschem Trend — genauso sieht es auch Abdullah Abid (30) aus Syrien. Er ist vor drei Wochen angekommen und war von den Frisuren der deutschen Männer begeistert. „Ich habe die Haare immer etwas länger getragen — hier tragen viele in meinem Alter die Haare nur oben länger und an den Seiten kurz. Ich gehöre jetzt auch dazu, also gehe ich nach dem Trend“, sagt er.

Shkelayim Pashkaj (39) und Entela Pashkaj (24) aus Albanien sind mit ihrem Sohn Quamie (8 Wochen) gekommen — sie freuen sich riesig über den Besuch der Friseure. „Für uns ist ein Friseurbesuch immer etwas Neues gewesen, ein Neuanfang sozusagen“, sagt Shkelayim Pashkaj. „Außerdem kann man sich entspannen“, freut sich Entela Pashkaj.

Seit ihrer Ankunft schläft die zweifache Mutter sehr schlecht, hier kann sie einfach einmal die Augen schließen und ein wenig abschalten. „Ich habe zwei kleine Kinder und es ist alles so neu für sie“, erklärt sie. „An Schlaf ist kaum zu denken — es tut gut, hier ein wenig zur Ruhe zu kommen.“

Orion Delaj aus Albanien freut sich sehr über die Hilfsbereitschaft vieler Düsseldorfer. „Das ist eine tolle Aktion, weil man hier mit Düsseldorfern in Kontakt kommt“, sagt der 22-Jährige. Er bekommt an dem Tag einen neuen Haarschnitt, dafür hilft Orion beim Übersetzen. „Ich spreche insgesamt sechs verschiedene Sprachen, darunter auch Deutsch“, sagt der junge Mann, „die Leute bekommen heute nicht nur einen Haarschnitt — wir knüpfen auch Kontakte.“

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