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Düsseldorf: Iraner lernt in Düsseldorf das Dirigieren

Düsseldorf : Iraner lernt in Düsseldorf das Dirigieren

Hossein Pishkar hat in Teheran ein altes persisches Zupfinstrument gespielt. Sein wahres Talent zeigt sich jetzt beim Studieren.

Düsseldorf. „Ich war schockiert, als ich Mahler hörte“, sagt Hossein Pishkar, heute Student an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule. Der Schock hat sich in seiner iranischen Heimat ereignet. Der 26-jährige Iraner verbindet damit aber offenbar kein Trauma, sondern ein beflügelndes Schlüsselerlebnis. Denn es hat in ihm den Wusch geweckt Dirigent zu werden.

Es war ein Konzert des Jugendorchesters in Teheran, das den damaligen Teenager mit Mahlers Erster Symphonie — „Der Titan“ — in Kontakt brachte. Seine ältere Schwester habe Geige im Orchester mitgespielt, sagt Pishkar. „Ich spielte damals nur Schlagzeug und das traditionelle persische Zupfinstrument Tar.“ Klavierstunden habe er nur nebenbei genommen. Es sei nicht wirklich sein Instrument. Doch bei seiner Aufnahmeprüfung in Düsseldorf habe er Klavier spielen müssen. Seine Darbietung hat offensichtlich ausgereicht. Rachmaninow habe er gespielt. Immerhin.

Pishkar spricht differenziert Deutsch. Elf Monate habe er im Iran am Goethe-Institut Deutsch gelernt. „Eine wirklich sehr schwierige Sprache“, findet der Perser, dessen eigene Muttersprache ja auch nicht gerade zu den einfachsten auf der Welt zählt. In Deutschland besuche er keine weiteren Sprachkurse. Und wenn man Pishkar so beim Reden zuhört, erscheint ein weiterer Deutschkurs ja auch recht überflüssig.

Seit dem Wintersemester 2012/2013 studiert Pishkar Dirigieren in der Klasse von Professor Rüdiger Bohn. Und schon bald stellten sich erste Erfolge ein. Jetzt bekommt der Musikstudent eine Stelle am Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz als Assistent des dortigen Chefdirigenten Daniel Raiskin. Das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates vergibt diese Assistenzdirigentenstelle an besonders talentierte Nachwuchsdirigenten. Pishkar ist der nunmehr achte Stipendiat dieses Förderprogramms.

„Es ist eine der besten Entscheidungen meines Lebens, hierhin gekommen zu sein“, sagt der Dirigier-Student. Im Iran gebe es zwar die Möglichkeit Musik zu studieren, auch das Fach Komposition, doch das Kapellmeister-Studium werde in seiner Heimat nicht angeboten, sagt Pishkar. „Ich verspüre eine innere Notwendigkeit zu dirigieren.“ Ein Orchester zu leiten sei für ihn die am meisten erfüllende Art sich mit Musik artikulieren, mehr noch als beim Komponieren. Ein paar Stücke habe er zwar komponiert. Doch die Auseinandersetzung mit fremden Werken, etwa den Symphonien von Johannes Brahms, Jean Sibelius oder Gustav Mahler gebe ihm ungleich mehr.

Während des Gesprächs kommt heraus, wie intensiv sich Pishkar mit der europäischen Dirigiertradition auseinander gesetzt hat. So stellt er beispielsweise fest, dass die Zeiten autoritärer Dirigenten à la Karajan und Furtwängler vorbei seien. Die Orchester hätten sich gewandelt. Karajan schätze er gleichwohl sehr hoch und fügt ein Zitat Karajans über den berühmten Kollegen Bruno Walter hinzu: „Bruno Walter hat alles mit Liebe geschafft.“ Ein Satz, der ihn sehr bewegt habe, sagt Pishkar. Er selbst wisse, wie viel Erfahrung vonnöten sei, um mit Orchestern richtig zu kommunizieren. Er bitte manchmal Orchestermusiker, sich auf das Dirigierpodest zu stellen, um den anderen etwas mitzuteilen. „Damit will ich denen zeigen, wie schwierig die Situation ist.“ Dabei Erfahrungen zu sammeln, hat Hossein Pishkar ja noch ein paar Jahre Zeit.