Meinung: Mord an Susanna (14): Wie blauäugig sind die Behörden?

Meinung: Mord an Susanna (14): Wie blauäugig sind die Behörden?

Der Fall des ermordeten Wiesbadener Mädchens Susanna wirkt wie ein zweiter Fall Kandel und wird die Kritiker der Asylpolitik erneut mobilisieren. Der Mord an sich markiert dabei nicht die eigentliche politische Dimension.

Die Tat, so abscheulich sie ist, hat nichts mit der Nationalität von Opfer und Tätern zu tun. Die hätte auch umgekehrt verteilt sein können. Und wahr ist auch, dass so ein Ereignis nichts aussagt über junge Männer generell, auch nichts über junge Flüchtlinge.


(Ein Kommentar von Werner Kolhoff. Foto: krohnfoto.de)

Auf der Seite der mutmaßlichen Täter aber offenbart dieser Mord wie in einem Brennglas alles, was schief gelaufen ist seit dem großen Flüchtlingsstrom von 2015. Antragsteller, deren Asylgründe komplett vorgeschoben sind, und die damit weit kommen. Identitäten, die frei erfunden werden. Nicht einmal fällt auf, dass bei der Flucht einer ganzen Großfamilie zurück in das Land ihrer angeblichen Verfolgung am Düsseldorfer Flughafen Dokumente mit verschiedenen Namen vorgezeigt werden. Einer der Tatverdächtigen war massiv kriminell auffällig und als Asylbewerber schon abgelehnt. Trotzdem durfte er bleiben. Der Fall zeigt: Wer wollte, konnte den 2015 eingetretenen Kontrollverlust ausnutzen — und kann es bis heute.

Wie blauäugig sind die Behörden? Und wie schlecht organisiert? Der Bamf-Skandal zeigt: Extrem schlecht. Das Asylverfahren und die Rechtslage müssen human sein und bleiben. Aber sie dürfen dem Missbrauch auch nicht länger Tür und Tor öffnen. Das ist, jenseits einer rückwärtsgewandten Betrachtung über Fehler in der Vergangenheit, die eigentliche Aufgabe, die vor der großen Koalition liegt. Sie sollte sich nicht täuschen, wie groß die Wut nach solchen Straftaten ist.

In eigener Sache: In einer früheren Version dieses Kommentars war ein Satz enthalten, der so verstanden werden konnte, als trüge das ermordete Wiesbadener Mädchen Susanna durch sein Verhalten womöglich eine Mitschuld an der Tat. Für diesen nicht beabsichtigten Eindruck bitten wir um Entschuldigung.

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