Kunstsammler Jean Mairet: Er spielt so gern mit der Irritation

Kunstsammler Jean Mairet: Er spielt so gern mit der Irritation

Jean Mairet präsentiert seine erfrischende Sammlung.

Wuppertal. Rätsel, Ironie, intelligente Tabubrüche — die Vorlieben von Jean Mairet finden sich auch in seiner umfangreichen Kunstsammlung. Etwa ein Zehntel seiner rund 700 Werke präsentiert der Franzose in der Von der Heydt-Kunsthalle in Wuppertal-Barmen — die Ausstellung „Liebe, Tod und Teufel“, die spielerisch irritiert und anregt.

Am Eingang stehen drei Schemel von Mesha Gaba, die man aber erst näheren betrachtet, wenn man liest, dass sie aus Geldscheinpapier gefertigt sind — oho, welch verborgene Werte. In Pascal Berniers Video zerhämmert und zerbohrt ein „Blumenserienkiller“ mit routiniert Handgriffen Rosen, Chrysanthemen und Kakteen — für sie wohl angenehmer als der langsame Tod in der Vase.

Der gebürtige Chinese Chan Kai-Yuen kombiniert Duchamps’ „Fontäne“ und Malewitschs Viereck mit einem gerupften Huhn in Rodins Denker-Pose — so stutzt man mit leichter Hand die westliche Hochkultur zusammen.

Müsste man die Wachsfigur der nackten alten Frau nicht peinlich finden? Nein, Gilles Barbier präsentiert sie voller Würde auf einer Chaiselongue, ihren Oberkörper hat er mit den Namen von Cremes tätowiert, die ihre Schönheit erhalten sollten.

Jean Mairet, der die Ausstellung selbst kuratiert hat, platziert diese Frauenfigur zwischen einem rosafarbenen Objekt, das Magersucht thematisiert, und einem Gemälde, auf dem ein Mann von seinem Fett verschlungen wird — mit sichtlichem Vergnügen spielt er mit Werken und Räumen.

Er sammle weder aus spekulativen noch aus kunsthistorischen Gründen, sagt er. „Ich sammle intuitiv und ohne Berater. Ich sammle, um mich auszudrücken — wenn ich Werke sehe, bei denen ich das Gefühl habe, sie geben Antwort auf eine Frage, die ich mir noch gar nicht gestellt habe.“

Seit rund 30 Jahren trägt er Kunst zusammen, so viel, dass sie längst nicht mehr in die Wohnung des Ehepaars Mairet passt, sondern ausgelagert werden muss: „Ich bin kein Erbe. Ich habe alles von meinem Gehalt bezahlt. Es ist eine Frage des Lebensstils, ob ich mir einen Zwölfzylinder-Mercedes oder einen Volkswagen zulege. Von der Differenz habe ich Kunst gekauft.“

Er hat seine Werke bisher nur gelegentlich gezeigt, aber bei den Besuchern darauf geachtet, wo die Tabus angesiedelt sind. Unbekleidete Menschen gehen meist durch, aber ein Bild mit Hitler-Thematik wie Rolf Lukaschewskis „Mann mit der Maske“ — „das irritiert immer noch sehr“.

Das Von der Heydt-Museum zeigt die Ausstellung „Liebe, Tod und Teufel“ von Sonntag bis zum 3. Februar in der Kunsthalle in Wuppertal-Barmen, Geschwister Scholl Platz 4—6. Öffnungszeiten: Di — So 11 bis 18 Uhr. Der aufschlussreiche Katalog kostet 20 Euro.