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Wie Borussia das Geister-Derby für sich entschied

Borussia Mönchengladbach : Wie Borussia das Geister-Derby für sich entschied

Die Rotation von Trainer Marco Rose ging beim 2:1 gegen Köln auf, Breel Embolo wurde dabei zum Derby-Helden.

Einsam und verlassen hing das Banner hinter dem Tor vor der Nordkurve des Borussia-Parks. „Holt euch den Derbysieg“ stand darauf und die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach tat, wie ihr von den fehlenden Fans befohlen. Mit 2:1 (1:0) siegte die „Fohlenelf“, feierte im 90. Bundesliga-Duell mit dem Rivalen aus der Domstadt den 50. Sieg und kletterte in der Tabelle zurück auf den vierten Platz. Da sollte das übliche Feier-Zeremoniell natürlich nicht fehlen, und so erklommen die Spieler die Stufen der Nordkurve, um sich den außerhalb des Stadions stehenden Anhängern zu präsentieren.

Angreifer Marcus Thuram hatte sogar eine Eckfahne für sein obligatorisches Ritual mitgebracht, den Spieler der Partie zu ehren. Mittelfeldakteur Christoph Kramer sagte später zu der bizarren Situation nach dem Ende einer in skurriler Atmosphäre über die Bühne gegangenen Bundesliga-Partie: „Es ist unglaublich, dass so viele Menschen im strömenden Regen gekommen sind, um uns zu feiern", während Trainer Marco Rose meinte: „Wir haben auf diesem Oberrang gestanden, als wenn wir Deutscher Meister geworden wären und aus Spaß gesagt, dass jetzt nur noch die Schale fehlen würde.“

Trotz eines Schmunzelns und dem Verständnis dafür, dass die Menschen wegen des neuartigen Grippe-Virus nicht in Panik verfallen wollen, bleibt die Frage, ob dieses Szenario nicht doch von einer gewissen Verantwortungslosigkeit gekennzeichnet war. Zwar hatte die Borussia an ihre Fans appelliert, dem Stadion fern zu bleiben, dann allerdings die Route des Mannschaftsbusses extra geändert, um an den Anhängern vorbei fahren zu können. Auch Marco Rose schwankte: „Das gehört dazu und das lassen wir uns auch nicht nehmen, aber natürlich müssen alle ein wenig vorsichtiger sein."

Vorsichtiger muss auch Roses Mannschaft sein, soll denn am Ende der Saison die Qualifikation zur Champions League auch wirklich stehen. In der letzten Zeigerumdrehung der vierminütigen Nachspielzeit wäre dem 1. FC Köln nämlich fast noch das 2:2 gelungen, Torhüter Yann Sommer aber parierte den aus kurzer Entfernung von Mark Uth abgegebenen Schuss. Einmal mehr entstand die Chance aus einer Standardsituation, durch welche Gladbach fast 30 Prozent seiner Gegentore kassiert. „Wir haben uns schon das 2:1 selbst reingelegt, dann das Fußballspielen etwas eingestellt und alles mit etwas Glück überstanden", sagte Kramer.

So durfte Marcus Thuram am Ende doch das Trikot mit der Nummer 36 über die Eckfahne stülpen. Wegen der englischen Woche hatte Trainer Rose leicht rotiert und neben Wendt sowie dem für den verletzten Zakaria ins Team gerückten Strobl auch die zwei jüngst nur in Kurzarbeit tätigen Herrmann und Embolo in die Start-Elf befördert. Ein guter Griff, die beiden waren statt nur dabei sofort mittendrin. Herrmann legte Embolo das 1:0 auf (32.), der wiederum das Eigentor von Jorge Meré erzwang (71.). Herrmann kommt nun auf fünf Treffer und sechs Tor-Vorlagen, für Embolo stehen sieben Treffer und vier Vorlagen zu Buche.

„Natürlich war ich zwischendurch mal enttäuscht. Alle haben den Anspruch, von Anfang an zu spielen. Aber die Mannschaft hat es in dieser Zeit gut gemacht, dies gilt es zu verstehen. Als junger Spieler muss man eben immer weiter an sich arbeiten", sagte Embolo.

Ob er am Sonntag in Frankfurt erneut ran darf, entscheidet der Trainer oder aber die Liga. Eine Absage ist nicht unmöglich, auch wenn sich Rose dagegen sträubt. „Wir sollten die Normalität so lange wie möglich aufrechterhalten. Solange sich das nicht in eine Richtung entwickelt, bei der jemand sagt: "Wir müssen zumachen', sollten wir die Dinge sportlich entscheiden."