Borussia Mönchengladbach : Gladbachs Bollwerk zeigt kleine Risse

Die beste Abwehr der Hinrunde ist poröser geworden. Gladbachs Defensiv-Chef Matthias Ginter fordert nun mehr Detail-Arbeit, weil der Fehler immer ein anderer ist.

Das Derby gegen den 1. FC Köln scheint in dieser Saison unter keinem glücklichen Stern zu stehen. Erst wurde es durch Sabine vom ursprünglichen Termin fort gepustet, nun droht Corona es weg zu husten oder zumindest die Zuschauer vor die Fersehgeräte zu zwingen. Nein, gemeint ist nicht Jesus Corona - beim kompromisslosen Rechtsverteidiger des FC Porto können sich Fußballer höchstens blaue Flecken holen. Gemeint ist die mutierte Version des schon seit den 60er Jahren bekannten Virus. Noch ist unklar, ob Borussia Mönchengladbach am Mittwoch spielen wird und wenn ja, ob dann auch vor 54 022 Zuschauern.

Sollte das 90. Bundesliga-Derby stattfinden, dann gilt es für die Mannen vor Torhüter Yann Sommer, einen anderen sich langsam einschleichenden Virus zu bekämpfen. Die in der Hinrunde beste Defensive nämlich zeigt kleine Risse. Von einem Bröckeln kann zwar noch keine Rede sein, mit 29 Gegentreffern besitzen die "Fohlen" noch immer die drittbeste Abwehr der Bundesliga. Doch München und Leipzig stehen jetzt bereits um drei Gegentore besser da und auch der immer harnäckiger werdende Konkurrent aus Leverkusen hat sich mit aktuell 30 Gegentreffern inzwischen ebenso deutlich stabilisiert.

In der Rückrunde gab es in sieben Spielen bereits elf Gegentreffer

Da jedoch die alte Weisheit "Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Titel" nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren hat, sollte die Borussia für das Ziel, ihren "Titel" Champions-League-Qualifikation zu gewinnen, die feinen Haarrisse im Abwehr-Beton kitten, bevor diese zu einer ernsten Bedrohung der Statik werden können. Schon in der vergangenen Woche nach dem 3:2 beim FC Augsburg hatte Yann Sommer die punktuell fehlende Konzentration angemahnt, Innenverteidiger Matthias Ginter bemerkte eine Woche zuvor nach dem 1:1 gegen Hoffenheim: „Wir müssen die Sinne schärfen."

Nach 17 Spielen der Hinrunde standen 18 Gegentreffer zu Buche, nach erst sieben Partien der Rückrunde sind es bereits deren elf.

Während Sommer bei diesen sieben Vergleichen in der Hinrunde siebenmal hinter sich greifen musste, war es nun also viermal öfter der Fall. Eine weiße Weste - also eine Begegnung ohne Gegentreffer - konnte der Schweizer bis Weihnachten immerhin fünfmal bejubeln, nach der Winterpause indes war dies noch überhaupt nicht der Fall. „Das wird mal wieder höchste Zeit", meint Ginter.

„Wir haben ja nicht das eine generelle Problem"

„Wir haben es durch unsere neue Spielweise oft geschafft, den Gegner weit von unserem Tor weg zu halten. Das gelingt allerdings nur, wenn dabei wirklich alle mitarbeiten. Wenn du nur einen Spieler hast, der es vernachlässigt, dann wird es auch für uns hinten schwer", sagt Ginters Nebenmann Nico Elvedi. Ein Fakt, den Ginter unterstreicht. „Wir haben ja nicht das eine generelle Problem.

Auf Schalke war es ein Konter, gegen Mainz ein langer Schlag, in Leipzig ein Fernschuss und gegen Hoffenheim ein Standard."

Beim 1:2 gegen Borussia Dortmund nun leitete ausgerechnet ein Flüchtigkeitsfehler des jüngst so stark auftrumpfenden Lars Stindl die Niederlage ein. „Das erste Gegentor haben wir uns selbst ins Nest gelegt", sagte Stindl. „Wir haben verdient verloren, weil wir in den entscheidenden Situationen etwas nicht richtig gemacht haben. Wir ziehen den Kürzeren, obwohl der BVB kaum in der Nähe unseres Strafraums war", meinte Trainer Marco Rose. Auch Ginter stört dieser Umstand. „Generell sind wir defensiv ja sehr stabil. Wir müssen jedoch die Details noch weiter verbessern und es den Gegnern damit noch schwerer machen, zu Chancen zu kommen." Zugegeben, es ist Jammern auf hohem Niveau - doch hohes Niveau ist ja das Ziel der Borussia.