Weniger Notfallpraxen im Rheinland - Patienten müssen fahren

Weniger Notfallpraxen im Rheinland - Patienten müssen fahren

Ärzte auf dem Land sollen nicht mehr so viele Notdienste machen müssen. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat deshalb eine Reform des Bereitschaftsdienstes beschlossen. Für Patienten könnte das längere Wege zur Folge haben.

Düsseldorf. Im Rheinland wird es künftig deutlich weniger Notarztpraxen geben als bisher. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat eine Neuordnung des Bereitschaftsdienstes beschlossen. Künftig sollen noch 41 allgemeine Notfalldienstpraxen vorgehalten werden, teilte die KV am Donnerstag mit. Außerdem soll es mindestens 15 kinderärztliche Notfallpraxen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln geben.

Derzeit wird der Notdienst in 84 zentralen Notdienstpraxen durchgeführt. Davon sind 62 allgemeinärztliche, 20 kinder- und jugendärztliche Notdienstpraxen sowie eine HNO-Notpraxis und eine mit mehreren Fachrichtungen. Die Zahl der Notdienstpraxen könne aber noch steigen, erläuterte ein Sprecher die Beschlüsse der Vertreterversammlung. Bei Bedarf könnten im allgemeinen Notarztdienst zusätzliche Dependancen mit eingeschränkten Öffnungszeiten betrieben werden. Auch zusätzliche kinderärztliche Notfallpraxen seien möglich. Eine Entscheidung über einzelne Praxis-Standorte sei noch nicht gefallen.

Hausbesuche sollen künftig zentral über die Arztrufzentrale koordiniert und der diensthabende Arzt durch einen Dienstleister zum Patienten gefahren werden. Mit den Notfallpraxen wird die Versorgung der Patienten außerhalb der Sprechstunden der niedergelassenen Ärzte sichergestellt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind für die Organisation des Notdienstes zuständig. Mit der Reform soll auch die Arbeit für Ärzte auf dem Land attraktiver werden.

Derzeit gebe es ein deutliches Missverhältnis der Notdienstbelastungen zwischen den Ärzten in Städten und auf dem Land, hatte ein Sprecher der KV Nordrhein gesagt. Das sei ein Hindernis, um genügend Landärzte zu gewinnen. Der Sozialverband VdK kritisierte das neue Notdienst-Konzept. Es gefährde die rechtzeitige Versorgung von Patienten, vor allem im ländlichen Raum.

Die Entfernung zu den Notfallpraxen steige, die durch den oftmals ausgedünnten öffentlichen Personennahverkehr im Rheinland ohnehin nur mühsam zu erreichen seien. Das treffe vor allem ältere und behinderte Menschen. Der Hausärzteverband NRW betonte, ein Kahlschlag bei den Notdiensten sei verhindert worden. Mit den Notdienst-Dependancen könnten die Ärzte in den Regionen zusätzliche Angebote machen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung