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Der Kampf gegen die Mietnomaden

Der Kampf gegen die Mietnomaden

Vermieter sind oft zu leichtgläubig. Das zeigt eine Studie. Jetzt soll das Mietrecht verschärft werden.

Berlin. Auch der Posten des Staatssekretärs schützte Rainer Bomba nicht vor bohrenden Nachfragen. Der Vertreter von Bauminister Peter Ramsauer (CSU) musste nachweisen, dass er einen festen Arbeitsplatz und geregelte Einkünfte hat. „Die wissen alles über mich“, sagt Bomba mit Blick auf seine Berliner Vermieter — keine Chance für Mietnomaden.

Bomba erzählt dieses Beispiel bei der Vorstellung eines Gutachtens für die Bundesregierung zu Mietnomaden. Mietern also, die Wohnungen verkommen lassen, nichts zahlen und dann in anderen Städten die Masche erneut anwenden. Hunderte private Vermieter wurden so schon um Ersparnisse für die Rente gebracht. Aber: Gerade ihre Leichtgläubigkeit führte oft dazu.

Bei zwei Dritteln der analysierten Fälle handelte es sich um „Amateur-Vermieter“, wie es die Forscher Markus Artz und Florian Jacoby von der Forschungsstelle für Immobilienrecht der Universität Bielefeld darstellen. Sie forderten meist keine Schufa-Auskunft, Informationen zum vorherigen Mietverhältnis oder einen Nachweis über feste Einkünfte. Nach der Unterzeichnung des Mietvertrags begann der Horror.

Artz betont, die Studie sei keine quantitative Erhebung, sondern eine qualitative Analyse. Daher fehlen weiterhin absolute Zahlen, aber sie dürften maximal im vierstelligen Bereich liegen. Bei den Forschern meldeten sich im Zuge eines bundesweiten Aufrufs 1.500 Opfer. Davon wurden 426 Fälle als „echter“ Mietnomaden-Betrug eingestuft. Dies ist der Fall, wenn höchstens drei Monatsmieten gezahlt wurden.

Bomba betont, die Studie sei wichtig für eine Versachlichung der Debatte. So kursierten weit höhere Zahlen von bis zu 15.000 Fällen, Schwarz-Gelb verankerte den Kampf gegen die Mietnomaden gar im Koalitionsvertrag. „Zwar ist die Zahl der Fälle überschaubar, aber wenn ein Jahr lang die Miete ausfällt, ist das eine Katastrophe“, betont der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Körber. Der Gesamtschaden beträgt meist zwischen 10.000 bis 20.000 Euro.

Die Bundesregierung will nun eine „Lex Mietnomade“ schaffen. So soll der Vermieter bereits die Reißleine ziehen können, wenn die Kaution verspätet gezahlt wird — und nicht erst nach mehreren fehlenden Monatsmieten.