Kölner Silvesternacht: Dompropst Gerd Bachner: „Wir wollen keine No-Go-Area um einen abgeriegelten Dom“

Kölner Silvesternacht: Dompropst Gerd Bachner: „Wir wollen keine No-Go-Area um einen abgeriegelten Dom“

Dompropst Gerd Bachner über die Kölner Silvesternacht, den kommenden Jahreswechsel und das Umfeld der Kathedrale.

Köln. Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht 2015 setzt die Kölner Polizei dieses Jahr zehnmal so viele Beamte ein wie damals. Allein 1500 Beamte der Landespolizei sollen die Feiern absichern. Wir sprachen mit dem Kölner Domprobst über Silvester und die Folgen.

Dompropst Gerd Bachner ist vom Sicherheitskonzept überzeugt. Foto: dpa

Herr Bachner, mit welchem Gefühl gehen Sie als Dompropst des Kölner Doms in die Silvesternacht?

Gerd Bachner: Mir ist wichtig, dass das, was im vergangenen Jahr im Domumfeld passiert ist, sich auch nicht ansatzweise wiederholen darf. Die Menschen, die in dieser Nacht zum Dom kommen, um mit Freude den Jahreswechsel zu feiern, sollen keine Sorgen haben, dass ihnen dabei etwas zustoßen könnte. Natürlich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Aber ich habe die umfangreiche Vorbereitung von Stadt und Polizei mitbekommen und bin zutiefst überzeugt, dass es in diesem Jahr ein sicheres und frohes Fest werden wird. Ich werde selbst vor Ort sein und habe überhaupt keine Angst.

Wie sind Ihre Erinnerungen an die vergangene Silvesternacht?

Bachner: So traurig, wie es auch ist, ich wohne zwar in unmittelbarer Nähe zum Dom und zum Hauptbahnhof, aber ich habe nicht viel mitbekommen. Ich bin mit dem Kardinal im Dom zur Sakristei gegangen und dabei böllerte es schon sehr heftig. Ich dachte nur, das fängt auch jedes Jahr immer früher an, nichts ahnend, was dahinter steckt. Während des Gottesdienstes ging es mit dem Böllern weiter und der Kardinal hat sich bei seiner Predigt davon gestört gefühlt. Angst hatten wir keine, aber es war sehr störend. Danach ging ich zurück zur Propstei und um Mitternacht war ich in unserer Kapelle, um zu beten. Was draußen wirklich passiert ist, hat man ja noch nicht einmal am Neujahrstag gewusst.

Wie groß ist die Sorge der Menschen, die in diesem Jahr an Silvester zum Gottesdienst in den Dom kommen?

Bachner: Die Menschen haben ganz allgemein derzeit Sorgen, wenn sie in einer größeren Gruppe zusammenkommen. Das kann man nicht ignorieren, aber es wäre ein falsches Zeichen, deshalb von Veranstaltungen wegzubleiben und auf das, was uns wichtig ist im Leben, zu verzichten. Man muss wachsam und vorbereitet sein, aber man sollte trotzdem sein Leben leben.

Welche Sicherheitsmaßnahmen trifft das Domkapitel in der Silvesternacht? Wird es wie Karneval Zäune geben?

Bachner: Wir haben ein Sicherheitskonzept, das wir in Absprache mit der Stadt und den Behörden immer wieder auf den aktuellen Stand bringen und es an die jeweilige Situation anpassen. Einen Zaun wie gegen die Wildpinkler an Karneval wird es nicht geben, der Dom bleibt frei zugänglich. Wir wollen keine No-Go-Area um einen hermetisch abgeriegelten Dom, uns ist das lebendige Treiben dort wichtig. Das Einzige ist, dass die Menschen, wenn sie das Domumfeld betreten, an Schleusen nach Feuerwerkskörpern kontrolliert werden. Das finde ich gut, weil es auch mehr Sicherheit gibt und weil so der Gottesdienst störungsfrei ablaufen kann. Wir informieren die Gottesdienstbesucher, dass sie wegen der Kontrollenetwas früher zum Dom kommen sollen.

Wie gefällt Ihnen die geplante Lichtinstallation rund um den Dom?

Bachner: Ich habe den Künstler vor Kurzem persönlich kennengelernt und finde das, was er macht, sehr gut. Die Installation betrifft die Domplatte und das Römisch-Germanische Museum. Der Dom selbst bleibt ganz normal beleuchtet. Die einzige kleine Änderung in diesem Jahr ist, dass wir das Bethlehem-Fenster in der gesamten Weihnachtszeit beleuchten werden. Ansonsten ist der Dom keine Litfaßsäule, die sich je nach Anlass wandelt. Aber das Umfeld mit einer Installation zu versehen, finde ich sehr positiv. Schade ist nur, dass das auf der Bahnhofsseite aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist und so der Ort des Geschehens nicht mit einbezogen werden kann. Gut finde ich, dass bei der Installation der Mensch und seine Wünsche im Mittelpunkt stehen sollen. Es ist ein Spiegelbild des menschlichen Handelns und Denkens.

Wie beurteilen Sie den derzeitigen Zustand des Domumfelds?

Bachner: Der Dom und die Stadt gehören zusammen. Es gibt gute Entwicklungen wie die Neugestaltung des östlichen Domumfeldes mit dem Baptisterium, der Nordtreppe und der geplanten Historischen Mitte im Süden des Doms. Natürlich ist die Gestaltung nicht immer einfach. Welches Weltkulturerbe hat schon einen großen Citybahnhof in seiner direkten Umgebung? Es geht um ein angemessenes Ambiente für den Dom. Falsch fände ich es, die gesamte Straßenkunst und das Betteln komplett zu verbieten. Bettler gehören seit jeher zum Umfeld einer solchen Kirche, auch wenn es kein aktives Betteln geben darf, das Menschen bedrängt. Auch bei der Straßenkunst ist ein differenzierter Blick wichtig. Man sollte Musikern Verstärker untersagen und die Künstler anhalten, nach einer festgelegten Zeit den Standort zu wechseln. Ob eine Qualitätsprüfung wie in München möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Wichtig wäre mir, dass man auch immer die Lautstärke messen sollte und eingreift, wenn es zu laut wird.