Tory-Vorsitz: Diese Bewerber könnten Mays Nachfolger werden

Tory-Vorsitz : Diese Bewerber könnten Mays Nachfolger werden

Nach dem Scheitern von Theresa May ist bei den britischen Konservativen die Parteiführung offen. Derzeit gibt es elf Bewerber und Bewerberinnen für den Tory-Vorsitz. Ein Überblick.

Nach dem Scheitern von Theresa May ist bei den britischen Konservativen die Parteiführung offen. Derzeit gibt es elf Bewerber und Bewerberinnen für den Tory-Vorsitz. Am kommenden Montag wird die Liste geschlossen, auf der bislang elf Namen stehen. In der Kardinalfrage nach dem passenden Konzept für den Brexit bietet sich auch unter den Chancenreichsten ein buntes Bild:

BORIS JOHNSON

Der frühere Bürgermeister von London war schon vor dem Referendum im Jahr 2016 einer der Wortführer der Brexit-Kampagne. Johnson ist unkonventionell, oft polternd - und verfügt über Charisma. May ernannte den polarisierenden Politiker nach dem Brexit-Referendum zum Außenminister. Er leistete sich allerdings diverse Ausrutscher und machte insgesamt keine gute Figur auf dem diplomatischen Parkett.

Johnson entwickelte sich zu einem heftigen innerparteilichen Kritiker von Mays Brexit-Kurs. Sein Rücktritt als Außenminister im Juli 2018 war eine logische Konsequenz. Der 54-Jährige, der oft einfach nur "Boris" oder "BoJo" genannt wird, hat sich in den Reihen der Tories einige Feinde gemacht. Zum Brexit lautet sein Motto derzeit: Hauptsache raus aus der EU - ob mit oder ohne Deal.

ANDREA LEADSOM

Die überzeugte Brexit-Befürworterin griff im Sommer 2016 schon einmal nach der Macht - unterlag damals aber ihrer Konkurrentin May. Die 56-Jährige arbeitete drei Jahrzehnte als Bankerin in der City of London, ehe sie in die Politik wechselte. Leadsom ist eine Bewunderin der Tory-Ikone Margaret Thatcher. Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs warf Leadsom im Mai als Ministerin für Parlamentsangelegenheiten das Handtuch. Nach Mays Rücktritt gilt Leadsom als Kompromisskandidatin, die in der Partei weithin konsensfähig ist. Sie strebt einen EU-Austritt ohne Abkommen mit Brüssel an.

MICHAEL GOVE

Der Brexit-Wortführer Gove wollte bereits in den Wirren nach dem Referendum im Jahr 2016 an die Parteispitze. Er schaffte es bei der Abstimmung in der Fraktion jedoch nicht in die Endrunde. May machte ihn im Juni 2017 zum Umweltminister, wo Gove mit einer Reihe umweltfreundlicher Ankündigungen in den Schlagzeilen blieb. Der 51-Jährige war zuletzt der führende Brexit-Hardliner in Mays Kabinett.

JEREMY HUNT

Der Nachfolger von Boris Johnson im Amt des Außenministers war eigentlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte der 52-Jährige das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen später als "arrogant". Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar. Der Einfluss Hunts im Kabinett ist nach und nach gestiegen. Zuletzt setzte er sich für die Ausarbeitung eines neuen Brexit-Abkommens mit der EU ein und erklärte, ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen käme einem "politischen Selbstmord" gleich.

DOMINIC RAAB

Der 45-Jährige folgte im vergangenen Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Der frühere Anwalt für internationales Recht trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als "schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie". Raab ist Boxer und zudem Träger eines schwarzen Karate-Gürtels. Seine Einstellung zum Brexit lässt sich auf den kurzen Nenner bringen, dass die Briten der EU notfalls auch ohne Deal den Rücken kehren sollten.

SAJID JAVID

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Großbritanniens. Der 49-Jährige gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an und stimmte 2016 für einen Verbleib seines Landes in der EU. Nach dem Ausgang des Referendums unterstützte er aber den Brexit-Kurs. Seit April 2018 ist Javid Innenminister.

MATT HANCOCK

Gesundheitsminister Matt Hancock warf seinen Hut am Tag nach Mays Rücktrittsankündigung in den Ring. "Wir brauchen einen Anführer für die Zukunft", schrieb Hancock bei Twitter. Er kündigte an, beim Brexit "liefern" zu wollen. Dann müsse das Land auch bei anderen Dingen "vorankommen" und sich eine "strahlende Zukunft" aufbauen.

(AFP)
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