Analyse: Merkel setzt bei der Wahl auf die Frauen

Analyse: Merkel setzt bei der Wahl auf die Frauen

In der Gunst der Wählerinnen liegt die Kanzlerin vor ihrem Herausforderer Steinmeier. Der wirbt mit Frauen in seinem Wahlkampfteam.

Berlin. "Frauen gemeinsam für Deutschland. Frauen für Merkel." Unter diesem Motto will die Frauen Union (FU) der CDU am Sonntag bei ihrem Bundestreffen in Duisburg Wählerinnen für Angela Merkel begeistern. Die Bundeskanzlerin punkte schon jetzt besonders beim eigenen Geschlecht, freut sich FU-Chefin Maria Böhmer gut sechs Wochen vor dem Wahltag.

Frauen stellen mit 52 Prozent immerhin die Mehrheit der Wahlberechtigten. Sie schätzen, so Böhmer, die "Normalität", mit der Merkel als "wichtigste Politikerin der Welt" auftrete. Zudem habe sie sich als Kanzlerin "besonders um den Zusammenhalt in der Gesellschaft gekümmert" - etwa um Familie oder Bildung.

Bislang gebe es für Deutschland zwar "keinerlei Beweise, dass Frauen eher Frauen wählen", sagt die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Sigrid Roßteutscher. Allerdings sei Merkels Vorsprung vor dem SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier tatsächlich bei den Frauen noch größer als bei den Männern - auch wenn das je nach Umfrage unterschiedlich deutlich ausfällt. Bemerkenswert an den Zahlen (siehe Info-Kasten) ist laut Roßteutscher nicht zuletzt der Unterschied zur letzten Bundestagswahl. 2005 habe Merkel bei Wahlberechtigten beider Geschlechter noch hinter ihrem SPD-Konkurrenten Gerhard Schröder zurückgelegen. "Schröder konnte sehr viel mehr Kompetenz- und Sympathiewerte auf sich ziehen - gerade gegenüber der neuen Frau Merkel."

Seither habe diese aber "bewiesen, dass sie es kann" und werde nun gerade bei den anfangs vielleicht auch skeptischen Frauen erst recht höher eingeschätzt als der damalige SPD-Kanzler. So komme zu Merkels Amtsbonus ein gewisser Frauenbonus als "Sonderplus", sagt Roßteutscher.

Die CDU-Chefin habe beim ersten Antreten als Kanzlerkandidatin "nicht von vornherein einen Bonus bei den Frauen" gehabt, erinnert die Darmstädter Politikwissenschaftlerin Brigitte Geißel. Dieser sei während ihrer Amtszeit "über die Leistung" entstanden und beruhe auf der "Bewunderung, dass eine Frau das kann". Viele Frauen nähmen Merkel als "positives Rollenmodell" wahr - und hätten "eine Freude daran, wenn man etwa diese G-8-Gipfel sieht und für Deutschland eine Frau steht". In den Augen der Wählerinnen habe es "endlich" eine Frau in internationale Machtzirkel geschafft - "und auch noch für Deutschland, damit wirkt Deutschland enorm modern", sagt Geißel.

Steinmeier versucht da mit geballter Frauenpower gegenzusteuern: Elf von 19 Mitgliedern in seinem Wahlkampfteam sind Frauen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung