1. Panorama

Silvio Berlusconi: Der Milliardär im Mittelpunkt

Silvio Berlusconi: Der Milliardär im Mittelpunkt

Er hat es sich weltweit mit Regierungen verscherzt. Und jetzt übernimmt Italien den G-8-Vorsitz.

Rom. Schlagzeilen und jede Menge Wirbel scheinen programmiert, wenn Italien 2009 den G-8-Vorsitz übernimmt - dank Regierungschef Silvio Berlusconi. Nicht nur, dass es sich der Ministerpräsident durch bizarre Äußerungen längst mit Regierungen in aller Welt verdorben hat. Auch sich selbst brachte Berlusconi durch Schönheits-OPs und spektakuläre Ehekräche ins Gerede.

Der Milliardär und Medienmogul dürfte auch 2009 keine Chance auslassen, sich in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei hat der gebürtige Mailänder bescheiden im klein- bürgerlichen Milieu angefangen. Vom Vater, einem Bankangestellten, erbt er allerdings den ausgeprägten Geschäftssinn.

Bereits als Schüler lässt er sich fürs Vorsagen bezahlen. Zum Einfallsreichtum gesellt sich beim jungen Berlusconi, der in Mailand Jura studierte, ein enormes Ego. Er präsentiert sich als singender Conférencier in Nachtlokalen und auf Kreuzfahrtschiffen.

Nach einem Zwischenspiel als Staubsauger-Verkäufer wird Berlusconi 1961 Anwalt und gründet zeitgleich ein Bau-Unternehmen. Bald nimmt sein Reichtum zu, so rasch, dass die Frage laut wird, aus welchen Quellen eigentlich das Vermögen des jungen Mailänders stammt - eine Frage, zu der dieser sich bis heute nur vage äußert.

Beim Fernsehen steigt Berlusconi Ende der 60er Jahre ein und schafft sich zunächst ein Netzwerk lokaler Fernsehsender. Seit 1982 sendet er landesweit, seine Stationen führt er nach Gutsherrenart.

Politisch steht "Il Cavaliere" Berlusconi lange dem Sozialistenchef Bettino Craxi nahe. Aktiv wird er aber erst, als immer mehr Politiker die Vorherrschaft seines Medienkonzerns beschneiden wollen. Er macht seinen Weg schnell. Im April 1994 gewinnt er mit seiner Partei Forza Italia die Parlamentswahl, verbündet mit den Neofaschisten und der Lega Nord. Berlusconi hält sich nur sieben Monate an der Macht, steht 1996 politisch im Abseits.

Aber nicht lange. 2001 schafft er es mit großen Werbe-Aufwand und krudem Populismus erneut an die Spitze und bleibt länger im Amt als jeder andere italienische Regierungschef seit dem Zweiten Weltkrieg. 2006 folgt ein Intermezzo seines ewigen Rivalen, Romano Prodi.

Seit diesem Frühjahr ist Berlusconi trotz einiger Korruptionsaffären wieder ganz oben. Sicherheitshalber gewährt ein neues Gesetz den vier ranghöchsten Politikern Italiens strafrechtliche Immunität - und damit auch ihm.

In Europa erregt Berlusconi, den "Forbes" 2006 mit einem geschätzten Vermögen von elf Milliarden Dollar zu den reichsten Männer der Welt zählt, vor allem wegen seiner Sprüche und seiner Eitelkeit Aufsehen. Ob gebräunt oder nur geschminkt, farblos zeigt sich der fünffache Vater nie.

Auch seine Hautstraffungen und Haarimplantationen, die er fast traditionell im Sommerurlaub vornehmen lässt, sind beliebtes Tuschelthema. Der Mailänder fand auch Gefallen daran, 2004 eine CD mit Liedern im neapolitanischen Dialekt auszunehmen, die er zum Teil selbst komponiert hat.

Das Ausland erwartet staunend einen Politiker, der ebenso peinlich wie skrupellos auftritt, sich in Italien aber ungebrochener Popularität erfreut.