Neumüller: Popstar wird man nur mit Disziplin

Neumüller: Popstar wird man nur mit Disziplin

Interview: Volker Neumüller sitzt in der DSDS-Jury und managt die Gewinner: „Mark Medlock wird nicht gewürdigt.“

Herr Neumüller, die DSDS-Jury bleibt in der neuen Staffel unverändert. Ein Zeichen, dass Sie mit Dieter Bohlen gut können?

Volker Neumüller: Ich komme mit Dieter Bohlen schon seit über zehn Jahren gut aus. Ich habe schon mit ihm zusammengearbeitet, als ich noch der stellvertretende Geschäftsführer der BMG Berlin gewesen bin. Dort sind die Modern Talking-Platten veröffentlicht worden.

Damals war Dieter noch keine Fernsehpersönlichkeit. Aber er war schon genauso wie heute. Er ist deswegen so erfolgreich, weil er sich nie verraten hat. Er hat viele unpopuläre Entscheidungen gefällt und besitzt die notwendige Härte, die man in der Musikbranche braucht.

Neumüller: Die Kandidaten versuchen, ihren Traum zu leben. Der ist nach sieben Staffeln DSDS auch klar definiert. Entgegen den Darstellungen der Medien gibt es auch einen personifizierten Traum, das ist Mark Medlock. Er ist jetzt im vierten Jahr erfolgreich mit bislang 2.500.000 verkauften Platten.

Es wird oft vergessen, dass unser Beruf mit ganz viel Disziplin einhergeht. Es ist nicht das schillernde Party-Milieu, sondern es bedeutet, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen. Das wird bei DSDS auch vermittelt. Wir führen die Kandidaten an ihre Grenzen. Am Ende haben wir stets ein echtes Talent gefunden.

Neumüller: Selbstverständlich. In der heutigen Medien- und Tonträgerlandschaft ist es sogar die einzige Form, überhaupt noch ein Talent zu entdecken. Wir haben heute keine Clublandschaft mehr, wie es damals bei den Beatles der Fall war.

Der Starclub, in dem sie angefangen haben, war nichts anderes als eine Talentprobe. Aber das gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr. Jemand, der gut singen kann, kann nur noch versuchen, direkt im Büro der Plattenfirma vorzusingen. Oder er geht gleich zu einer Castingshow.

Neumüller: Denselben Anspruch wie andere Castingshows, die von den Kritikern hoch gelobt werden. Ein Mark Medlock wird aber nach wie vor nicht von der schreibenden bzw. sendenden Zunft geadelt. Gleichzeitig wird eine Leona Lewis rauf und runter gespielt.

Dabei entstammt sie dem gleichen Format: Sie hat in England X-Factor gewonnen. Britney Spears, Beyoncé, Kelly Clarkson und Justin Timberlake - die Weltstars, die wir noch haben, kommen alle aus Casting-Situationen. Aber dass Mark Medlock es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft hat, wird in Deutschland nicht gewürdigt.

Neumüller: Grundsätzlich geben die Medien in Deutschland außerhalb von RTL Castingkünstlern keine Wettbewerbschance. Bestes Beispiel ist Daniel Schumacher. HR3 will seine neue Single nur dann spielen, wenn sich 1000 Hörer auf der HR3-Facebook-Seite positiv zu ihm äußern. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung.

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