Hückeswagen: Alle für einen

Hückeswagen: Alle für einen

In der bergischen Kleinstadt ist Uwe Ufer Bürgermeister-Kandidat aller fünf Parteien. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.

Hückeswagen. Kampf ums Rathaus? Fehlanzeige im oberbergischen Hückeswagen. Da heißt es: Alle für einen! Denn in dem Städtchen mit rund 16 000 Einwohnern gibt es nur einen einzigen Kandidaten für den Posten des Bürgermeisters: den parteilosen Uwe Ufer (43).

Vor fünf Jahren war er als gemeinsamer Kandidat von SPD, FDP, UWG und Grünen erstmals angetreten. Und gewann die Stichwahl gegen einen anderen Einzelbewerber mit 55,7 Prozent (3506 Stimmen).

Seitdem dürfte die Zustimmung noch weiter gewachsen sein. Auch die CDU, die 2004 mit ihrer eigenen Kandidatin nicht einmal in die Stichwahl gekommen war, verzichtet nämlich diesmal auf einen eigenen Kandidaten. "Wir haben in der ablaufenden Legislaturperiode gemeinsam viel mit Uwe Ufer erreicht und auch festgestellt, dass wir viele identische Ziele haben", erklärt CDU-Ortsvorsitzender Willi Endresz. "Also stehen wir jetzt voll hinter ihm."

Der gebürtige Bergneustädter Ufer hat den Job Bürgermeister gleichsam von der Pike auf gelernt: mit einer Ausbildung zum Gemeindeinspektoranwärter in Reichshof, mit dem Studium und einem Abschluss als Diplom-Kommunalbeamter, dann zunächst als Ordnungsamtsleiter später als Kämmerer in Reichshof, und zuletzt als Erster Beigeordneter in Morsbach.

Der Flur vor Ufers Büro im Hückeswagener Rathaus hängt mittlerweile voller Urkunden und Auszeichnungen für ihn und seine Verwaltung. Zwei mal wurde er sogar schon "CIO des Jahres" (engl.: Chief Information Officer = Vorstand für Informationstechnologien), eine Ehre, die sonst nur Industriekapitänen zuteil wird. "Ja, da sitzt man dann plötzlich in München mit den Bossen von Audi an einem Tisch", berichtet Ufer.

Seine Gemeinde hat mittlerweile sogar das TÜV-Gütezeichen "unternehmerfreundliche Stadt". Grund: Ufer denkt und handelt wie ein Unternehmer, mit kurzen Wegen und möglichst wenig Bürokratie. Seine Mitarbeiter besuchten sogar schon mal einen Gastronomie-Workshop: Sie sollten so den Dienstleistungsgedanken auch aus einer anderen Warte kennenlernen.

Ufers Motto: "In unserer globalisierten Welt frisst nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen." Er sei stolz auf das, was man in Hückeswagen gemeinsam in den vergangenen Jahren erreicht habe. "Auch bei uns wird im Rat debattiert und gestritten", berichtet Ufer, "aber am Ende muss eine Entscheidung stehen, und die tragen dann alle mit." Das sei auch seine Empfehlung an andere Städte: "Man sollte an einem Strang für seine Gemeinde ziehen."

Das tun die Kommunalpolitiker in Hückeswagen. Über einen langweiligen Wahlkampf kann Ufer trotzdem nicht klagen. Denn erstens müssen 25 Prozent der Wahlberechtigten ein "Ja" für Ufer ankreuzen, also mehr als 3000 Hückeswagener. "Und zweitens ist es ohne Gegner schwieriger", erklärt der Bürgermeister, "denn man kann nie sagen: So wie der oder die will ich es nicht machen. Man hat niemanden, an dem man sich reiben kann, sondern man muss immer selbst Stellung beziehen."

Außerdem wolle er ja nicht nur eine Mehrheit - sondern eine breite Zustimmung.

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