Mikael Ohlsson: Vom Teppichverkäufer zum Chef

Mikael Ohlsson: Vom Teppichverkäufer zum Chef

Mikael Ohlsson ist ab September neuer Chef des Möbelimperiums Ikea. Mit 21 fing er ganz unten im Unternehmen an.

Düsseldorf/Leiden. Mikael Ohlsson lächelt. Er hat die Frage erwartet. "Klar, ich kann unsere Möbel selbst zusammenbauen", sagt er. Wie viele Schrauben dann am Ende fehlten oder übrig blieben? Ohlsson lächelt wieder. "Ja, das war mal ein Problem, aber das ist doch viel besser geworden." Von der Ikea-Büro-Serie, die zufällig seinen Vornamen trägt, spricht er nicht. Sein Lieblingsstück, das sei das Regalsystem "Besta". Das bedeutet "beständig, dauerhaft". Das klingt bodenständig, bescheiden.

Am 1. September tritt Ohlsson (51) die Nachfolge von Anders Dahlvig als Ikea-Chef an. Die Wirtschaftskrise bremste die Expansion des Unternehmens, immer mehr Mitbewerber drängen auf den Markt. So tauschte man den CEO (Chief Executive Officer) aus. Und man entschied sich für Ohlsson. Der sei für den Job geeignet, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Ikea-Muttergesellschaft Ingka, Göran Grosskopf, denn Ohlsson "ist ein wahrer Träger der Ikea-Kultur". Noch als Führungskraft sei er sich nicht zu schade gewesen, Besuchergruppen durch das Möbelhaus zu führen. Das Ikea-Credo: Einfach sein, offen, man spricht sich mit "du" an.

1979, da ist er 21Jahre alt, jobbt der Wirtschaftsstudent Ohlsson im Ikea-Haus in Linköping und verkauft Teppiche. "Dort war ein prima Klima, fantastische Menschen, daher beschloss ich, zu bleiben", sagt er. Zwei Jahre später leitet er die Filiale in Sundvall, wird dann Regionalchef in Belgien und Kanada, ehe er 1995 in die Führungsriege des Möbel-imperiums aufrückt. Derzeit ist er noch für die Regionen Südeuropa und Nordamerika zuständig.

Das Sortiment und die niedrigen Preise hätten ihn neben der Unternehmenskultur stets fasziniert, sagt Ohlsson. Seine Ziele sind entsprechend: Angebot ausbauen, Preise niedrig halten. "Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, Konzernchef zu werden", sagt er, gewohnt bescheiden. Einen wie ihn nennen sie in Schweden "Doldis", einer der im Hintergrund arbeitet und nur selten an die Öffentlichkeit tritt.

Das Gesicht von Ikea, das wird Ohlsson nicht werden. Von der Öffentlichkeit wird immer noch Ingvar Kamprad als "Mr. Ikea" wahrgenommen, der 83-jährige Unternehmensgründer. Offiziell ist Kamprad zwar nur noch Ehrenvorsitzender, aber es heißt, dass wichtige Entscheidungen immer noch über seinen Schreibtisch gehen. Seinen Söhnen riet er, den Posten des Chefs nicht zu übernehmen: "Ich weiß, was für ein harter Job das ist." Die Männer hinter Kamprad, die nimmt man erst wahr, wenn sie einen wichtigen Posten einnehmen. Wie Ohlsson.

Von dem wusste die schwedische Fachpresse bei seiner Vorstellung nicht einmal das Alter. Jetzt weiß sie, dass Ohlsson verheiratet ist, zwei Söhne hat und eine Tochter. Dass er gerne auf seiner Harley Davidson fährt, Gitarre spielt, Jazz und Blues hört.

Von Barcelona muss er nach Leiden in den Niederlanden umziehen, wo die Ingka Holding Group ihren Sitz hat. Ohlsson übernimmt ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 21,2Milliarden Euro machte, das 127800 Mitarbeiter in 253 Häusern in 39 Ländern hat. Ein Global Player, das passt zum weitgereisten Ohlsson.

An einer neuen Strategie als Antwort auf die Krise werde gearbeitet, heißt es aus der Ikea-Zentrale. Man sei zu bequem und selbstzufrieden gewesen, sagt Kamprad. Stellen werden abgebaut. 5000 waren es schon 2008. Und: Die Zeit der großen Center an den Autobahnen könnte vorbei sein. In Österreich gibt es bereits Filialen in Shopping-Centern, in Hamburg-Altona soll ein Laden in einer Fußgängerzone entstehen, ein Pilotprojekt. Kein Zweifel: Auf Ohlsson wartet Arbeit. Zum Regal-Aufbauen dürfte er nur noch selten kommen.

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