Christliche Konfessionen unter einem Dach

Christliche Konfessionen unter einem Dach

Das Zusammenrücken von evangelischer und katholischer Gemeinde in Metzkausen basiert auf einer langen ökumenischen Verbindung.

Mettmann. Noch hängt das Kreuz in der evangelischen Kirche Am Hügel in Mettmann-Metzkausen. Im Sommer wird es in die knapp 500 Meter entfernte katholische Kirche Heilige Familie umziehen. Dort soll es, leicht umgearbeitet, an der Stirnseite des Gottesdienstraums angebracht werden. In den Fächern der Kirchenbänke wird sich dann nicht mehr allein das katholische Gotteslob, sondern auch das evangelische Gesangbuch finden. Und außen an der Fassade soll in Bronzebuchstaben zu lesen sein: Ökumenisches Zentrum in Heilige Familie.

„Wenn es irgendwo klappt, dann in Metzkausen“, ist Herbert Ullmann (58), leitender Pfarrer der Pfarrei St. Lambertus, überzeugt. Der ökumenische Austausch in dem Stadtteil hat ein jahrelanges Fundament, nicht erst, seit Ullmann 2012 sein Amt mit dem Zusammenschluss der Pfarrgemeinden in Mettmann übernahm. Sein evangelisches Gegenüber Klaus Schilling (58), seit 1992 Pfarrer in Mettmann, hatte schon Jahre zuvor einmal die Idee zu einem Zusammenrücken — damals noch ohne Erfolg.

Inzwischen bieten Ullmann und Schilling bereits ökumenische Exerzitien im Alltag und eine ökumenische Bibelwoche an; auch viele Schulgottesdienste werden gemeinsam gefeiert. Etwa 2800 Protestanten wohnen in Metzkausen, der katholische Anteil ist etwa gleich groß — gute Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Partnerschaft. „Wir sind froh, dass wir endlich die Ebene der Sonntagsreden und der Verpflichtungsökumene verlassen können und die Menschen merken, dass sich etwas tut“, sagt Ullmann. Auf Gemeindeebene habe man viele Jahrzehnte darauf gehofft. Trotzdem soll die geplante Zusammenarbeit „nicht dazu führen, irgendwas oder irgendwen zu zwingen“, versichert Schilling. Es werde eine große Portion Achtsamkeit geben.

Die hat es im Vorfeld der Beschlüsse vom vergangenen Sommer schon auf beiden Seiten gegeben. Gerade die Verhandlungsgruppe sei auch dazu genutzt worden, sich über Glaubensfragen und gegenseitige Befürchtungen auszutauschen. Eine Zweckentfremdung des geweihten Altars als Leinwandtisch — für Katholische undenkbar. Marienstatue und Tabernakel — für Evangelische gewöhnungsbedürftig. „Aber wir können gut mit der Gestaltung der Kirche leben“, sagt Schilling. Einmal monatlich, so oft wie bisher im Stadtteil, wird es künftig dort einen evangelischen Gottesdienst geben.

Auf der Seite der Protestanten gab es größere Bedenken. Schließlich gibt die Gemeinde eine seit Jahrzehnten vertraute Kirche auf. „Alle Vorbehalte kann man nicht einfangen“, weiß der evangelische Pfarrer. Nur die Befürchtung, bald würden die Bagger kommen und alles für Neubauvorhaben abreißen, weist er energisch zurück. „Das fände ich unredlich, die Tafel erst hierhin zu holen und dann nach kurzer Zeit zu sagen, das war es.“ Welche Pläne die Gemeinde mit den Räumen in Metzkausen habe, sei noch völlig offen.

Offen ist für Ullmann und Schilling auch, was noch alles aus dem räumlichen Zusammenrücken der beiden Gemeinden in dem Stadtteil erwächst. „Wir beide wollen nicht die ökumenischen Zugpferde sein“, sagt Schilling. Das neue Zentrum solle nicht nur für Metzkausen, sondern für ganz Mettmann die ökumenische Anlaufstation werden. Und man hofft auf Impulse aus dem im Umbruch befindlichen Stadtteil mit vielen jungen Familien und konfessionsverschiedenen Ehen.

Am 3. Juni steht das Gemeindefest Heilige Familie auf dem Programm. Diesmal wurde es noch von katholischer Seite vorbereitet — zum letzten Mal. Im nächsten Jahr wird es ein ökumenisches Fest werden.

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