Beste Werbung für die Musikschule

Beste Werbung für die Musikschule

Jugend musiziert: Beim inoffiziellen Preisträgerkonzert im Kolkmannhaus spielten Nachwuchsmusiker auf hohem Niveau.

„Es ist nur ein inoffizielles Preisträgerkonzert“, betonte Musikschulleiter Raphael Amend gleich zu Beginn der Matinee. Das eigentliche Preisträgerkonzert nach der ersten Runde des seit 1964 existierenden Wettbewerbs „Jugend musiziert“ hat nämlich bereits am 17. Februar in Leverkusen stattgefunden. Denn dort wurde am 3. und 4. Februar der diesjährige „Regionalwettbewerb Bergisches Land“ ausgerichtet. Dazu gehören die Städte Leverkusen, Remscheid, Solingen und Wuppertal.

Im Bernd-Mischke-Saal des Kolkmannhauses stellte sich nun eine kleine Auswahl von Nachwuchsmusikern vor, die mit Urkunden aufgezeichnet wurden und an der Bergischen Musikschule Unterricht nehmen.

Sie werden wohl das Herz von Till Söling erfreut haben, der offiziell als 1. Vorsitzender des Förderkreises der Bergischen Musikschule verabschiedet wurde. Er bekleidete das Amt seit seiner Gründung im Jahr 1973, als die Musikausbildung neu strukturiert wurde, die Konservatorien aufgelöst wurden. Kulturdezernent Matthias Nocke bedankte sich bei ihm für sein „großartiges Engagement“. Söling kokettierte mit seinem Weggang, indem er ihn frei nach Otto von Bismarck als „Staatsbegräbnis erster Klasse“ bezeichnete.

Für ihn war es eine Sternstunde, als er das noch fehlende Geld für den Flügel im Bernd-Mischke-Saal auftreiben konnte. Für ihn ist die Musikschule als sozialer Faktor besonders wichtig. Gerade die Ensemblearbeit in Form von Orchester und Kammermusikformationen hob er hervor.

Sein Nachfolger ist Erhard Buntrock. Der Geigenbauer müsste die Bergische Musik-schule aus dem Effeff kennen. Seine Tochter Barbara Buntrock fing dort nämlich mit dem Geigenspiel an. Heute ist sie Professorin für Bratsche an der Düsseldorfer Robert Schumann Hochschule und neben ihrem Kollegen Werner Dickel künstlerische Leiterin der Konzertreihe „Musik auf dem Cronenberg“. Nocke erwähnte seinen großen sozialen Einsatz. Unter anderem organisiert er in Wuppertals Partnerstadt Matagalpa in Nicaragua Geigenbauworkshops.

Die musikalischen Vorträge kamen natürlich nicht zu kurz. Von den Jahrgängen 2008/2009 bis 1998/1999 wurde ein dem jeweiligen Alter entsprechendes hohes Niveau geboten. Ein Zigeunertanz für Geige und Klavier aus der Feder von Friedrich Seitz erklang genauso geschmackvoll wie Werke für Gitarre beziehungsweise Mandoline etwa von Raffaele Calace, John Dowland und Jürg Kindle. Auch die Blasinstrumentalisten (Querflöte, Saxophon, Oboe) und eine Sängerin überzeugten mit gehaltvollen Vorträgen.

Die neun Auftritte waren beste Werbung für die Musikschule als gediegene Ausbildungsstätte und kamen bei dem Lehrpersonal, den Verwandten und Fans unglaublich gut an. Sie bedankten sich bei jedem Interpreten mit ausgiebigem Beifall. Und Nocke freut sich, dass erstmals der Landeswettbewerb Jugend musiziert vom 9. bis 13. März in Wuppertal stattfindet. Dank finanzieller Unterstützung von Sponsoren konnte das möglich gemacht werden. Etwa 1100 junge Musiker aus NRW werden erwartet. Sie wetteifern dann darum, wer von ihnen für den Bundeswettbewerb zugelassen zu wird. Er wird vom 17. bis 24. Mai in Lübeck ausgetragen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung