50 Jahre Tunnel Döppersberg: Vom Start der „guten Stube“

50 Jahre Tunnel Döppersberg: Vom Start der „guten Stube“

Vor genau 50 Jahren eröffnete Wuppertal den Tunnel, der zwischen Hauptbahnhof und Elberfelder Innenstadt die B 7 unterquert.

Wuppertal. Auf der Autobahn von Berlin nach Helmstedt werden wieder einmal US-Truppen von Sowjets gestoppt, John Glenn wird der Öffentlichkeit als zweiter Astronaut für den Erdumlauf vorgestellt, Opel bewirbt den „Rekord“ und Ford den „17 M“. An diesem 1. Dezember 1961, einem Freitag, hat Wuppertal einen schweren Brocken Arbeit hinter sich und ist bereit für eine feierliche Verschnaufpause. Der Anlass: Die B 7 kann auf Höhe des Elberfelder Bahnhofs fortan von Fußgängern per Tunnel unterquert werden.

Es werde „grünes Licht für immer“ gegeben, heißt es von offizieller Seite. Exakt um 17.05 Uhr durchschneidet Hans Heinz Jasper Frowein (CDU), seit acht Monaten Oberbürgermeister der Stadt, am Döppersberg das weiße Band. Tausende von Menschen strömen hinter ihm von der Alten Freiheit in Richtung Bahnhof. Der erste Tunnelstürmer soll eigentlich einen Blumenstrauß erhalten, doch er hastet so eilig durch die Röhre, dass sich das Empfangskomitee mit dem zweiten Passanten begnügen muss.

Die Begeisterung der frühen Tage ist der Ernüchterung gewichen. Was einst als großartige Errungenschaft gepriesen wurde, sollte Jahre später angesichts des Gestanks den Namen „Harnröhre“ erhalten. Immer wieder kam es im Tunnel zu Schlägereien, letztlich ein Tribut an die Alkoholströme, die dort fließen.

Den Stadtvätern von einst wäre kaum der Gedanke gekommen, dass ihr Werk einen solchen Wandel erfahren sollte. Ihre Absicht hatte vielmehr einen damals modernen Hintergrund. Mit Millionenaufwand baute die Stadt seit einer Weile am ersten Umbau der Kreuzung Döppersberg. Denn in naher Zukunft wurden bis zu 70 000 Autos täglich an diesem Knotenpunkt erwartet. Um Fußgängern die Querung des Gefahrenpunkts zu erleichtern, wurde der 3,25 Millionen Mark teure und 150 Meter lange Tunnel gebaut. Man rechnete damit, dass 60 000 Passanten ihn täglich nutzen würden.

Der Plattenbelag des Bodens war deutschlandweit eine Neuerung, die Ausleuchtung mit Neonröhren ein Luxus. Telefonzellen und Ladenlokale gehörten zur Ausstattung, die damals bewundert wurde. Erster Nutzer des Tunnels war am Vortag der Eröffnung eine Gruppe Blinder — denn ihnen galt die besondere Sorge der Verkehrsplaner.

Während Bundesbahn-Vizepräsident Koesters Hoffnung gab, dass auch das Empfangsgebäude des Bahnhofs bald fertig sei, überreichte Frowein seinem Baudezernenten Hetzelt einen Stich, auf dem der alte Döppersberg zu sehen war. Heute, genau 50 Jahre später, ist das, was man damals als „den Bau einer guten Stube“ bezeichnet hatte, Makulatur. Wuppertal wartet auf den zweiten Umbau am Döppersberg.

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