Koreaner übertragen die Billard-WM in die ganze Welt

Koreaner übertragen die Billard-WM in die ganze Welt

Das 15-köpfige Team hat sich in der Festhalle eingerichtet. Der Aufenthalt in Viersen sei sehr angenehm, berichtet Chloé Oh.

Viersen. „Viersen is so cute!“ Mit diesen Worten schwärmt die Koreanerin Chloé Oh von ihren Erfahrungen in der Stadt des Dreiband-Billards. Und mit „niedlich“ ist das englische „cute“ vielleicht am besten übersetzt. Sie liebe die kleinen Häuser, alles sei so gemütlich, sagt Chloé Oh. Sie kommt aus Chungju, einer Stadt mitten in Südkorea. Einer großen Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern. Da kann das nicht halb so einwohnerstarke Viersen nur „cute“ sein.

Chloé Oh ist derzeit nicht die einzige Südkoreanerin, die ihre Zeit in Viersen verbringt. Als PR-Managerin des Unternehmens Kozoom sorgt sie mit ihrem etwa 15-köpfigen Team dafür, dass die Aufgaben dieser Firma reibungslos erfüllt werden. Diese bestehen darin, alle Billardereignisse zu filmen und live zu senden.

Gegründet von dem Koreaner William Oh, zu dem sich später der Franzose Xavier Carrer gesellte, besitzt Kozoom die exklusiven Übertragungsrechte von Dreiband-Billard-Weltcups und Weltmeisterschaften. Im Livestream kann jeder, der bei Kozoom angemeldet ist, die Wettbewerbe verfolgen.

Anfang der Woche reiste Chloé Oh mit ihrem Team an, um alles für die Übertragungen aus der Festhalle vorzubereiten. Sie wohnen in einem Hotel in Mönchengladbach. Das einzige kleine Manko, das sie empfindet, sei, dass so wenige Menschen Englisch sprechen. Aber — höflich, wie sie ist — nimmt sie diesen Hauch einer Kritik sofort zurück und erklärt, das sei in Korea ja genauso: Nur die Jüngeren könnten Englisch sprechen. In dem Café, in dem sie ihre Pausen verbringt, sei manchmal eine junge Frau, die sich auf Englisch mit ihr unterhalte. Mit einer anderen, die dies nicht könne, habe sie eine wunderbare Unterhaltung ohne Worte. Alle Menschen, denen sie begegne, seien freundlich.

Viersen habe alles, was man brauche, berichtet Chloé Oh begeistert. Alle Arten von Geschäften auf einer Straße: Nagelstudio, Frisör, Bekleidungsgeschäfte, ein Juwelier und dazu noch Cafés und Restaurants — Chloé Oh ist sichtbar angetan von Viersens Geschäftswelt. Und außerdem: Die Straßen sind so sauber und die Menschen schauen „happy“ aus. „Deutschland ist ein gutes Land“, sagt sie.

Zieht man den Höflichkeitsfaktor ab, bleibt immer noch eine Menge Positives übrig, und man merkt: Wie gut, wenn mal eine, die aus einem Land stammt, das 11 000 Kilometer von unserem entfernt ist, den Viersenern beziehungsweise den Deutschen einen glänzenden Spiegel vorhält.

„Ich mag die Landschaft“, denn — und das mag überraschend klingen — sie sei „vertraut“. Und dann zeigt Chloé Oh auf eine der roten Innentüren der Festhalle mit ihren Leisten und erzählt, dass solche Türen typisch für Korea seien. Nicht nur das, auch die Hausdächer erinnern Chloé Oh an zu Hause. Und natürlich das Billard.

Chloé Oh, PR-Managerin von Kozoom

Korea gilt als die stärkste Billardnation, im vergangenen Jahr wurde sie Weltmeister. Warum Billard in Korea so populär ist, erklärt Chloé Oh damit, dass die Koreaner mit diesem Indoorsport „runterkommen“ können vom Alltagsstress. Schließlich erfordert dieser Sport höchste Konzentration und absolute Stille. Statt Applaus gibt es zum Beispiel gerade mal ein „Ooooh“-Raunen oder ein kollektives Fingerschnippen.

Und dann erzählt Chloé Oh noch von einem kleinen „Kulturschock“: Im Aufzug ihres Hotels gibt es keinen Knopf, mit dem man die Tür öffnen kann — sie öffnet sich eben automatisch. Koreaner zu Hause drückten immer gleich hektisch auf diesen Knopf, weil sie unter Stress stehen und es eilig haben. Hier in Deutschland, so Chloé Oh, gehe alles immer gemächlich, Schritt für Schritt.

Zwar berichtet das Kozoom-Team ausschließlich von den Billardspielen aus Viersen. Aber die Stadt, oder besser ihr Name, steht über jedem Bericht. Damit, sagt Chloé Oh, sei jedem, der sich in Korea für Billard interessiert, die Stadt gut bekannt. Die Billard-Weltmeisterschaft sei, so Chloé Ohs Meinung, eine gute Tradition für die Stadt mit positiven Auswirkungen.

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