Kempen: Schüler bewerten ihre Schule

Kempen: Schüler bewerten ihre Schule

Verkehrte Welt: Berufsschüler geben ihrem Kolleg Noten – und sichern so die Qualität. Sie bewerten die Eigenschaften und den Unterricht ihrer Lehrer, ihre Klasse, Mitschüler und die Schule.

Kempen. Weiterentwicklung durch Infragestellung - dieses Prinzip funktioniert am Kempener Berufskolleg seit Jahren sehr gut. Dazu gehört auch die Schülerbefragung, die laut Schulleiter Hans-Joachim Kornblum "ein Instrument darstellt, um in den eigenen Unterricht einmal reinzugucken".

Alle 4000 Schüler an drei Standorten nehmen an dieser Befragung teil. Sie bewerten die Eigenschaften und den Unterricht ihrer Lehrer, ihre Klasse, Mitschüler und die Schule. Noch bis zu den Osterferien läuft diese insgesamt dritte Schülerbefragung.

"Wir begeben uns freiwillig auf den Prüfstand", sagt Engelbert Hillen, der die Befragung von Anfang an mit organisiert und betreut hat. Der Technik- und Englischlehrer sieht dabei nur Vorteile:

"Die Befragung läuft anonym ab. Die Ergebnisse werden im Gespräch von Lehrer und Klasse ausgewertet und besprochen, und die nach Abteilungen geordneten Mittelwerte hängen im Lehrerzimmer aus. So kann jeder Pädagoge sehen, ob er über- oder unterdurchschnittlich abgeschnitten hat."

Nach den ersten zwei Erfahrungen zieht Kollegleiter Kornblum ein positives Fazit: "Schüler und Lehrer sind zufriedener, die Schüler fühlen sich ernst genommen." Dazu gehört auch, dass die 44 Fragen nicht schnell und nebenbei in der Pause abgehandelt werden, sondern während des Unterrichts konzentriert und engagiert am PC beantwortet werden.

Die Auswertung früherer Befragungen zeigt eine Politik der kurzen Wege. So setzten sich die Hausmeister zusammen, nachdem die Schul-Kioske bei "Preis-Leistungs-Verhältnis" und "Angebot" verschieden gut abgeschnitten hatten. Das Ergebnis: Angleichung von Angebot und Preisen, zufriedenere Schüler, besseres Schulklima.

Mancher Pädagoge war nach dem ersten Befragungs-Durchlauf erstaunt, wie gut er bei den Schülern abgeschnitten hatte. "Selbstbild und Fremdbild liegen eben manchmal deutlich vonein-ander entfernt", weiß Engelbert Hillen. Darüber nachzudenken sei ein guter Ansatz, um die Qualität der Schule zu sichern. Eben Weiterentwicklung durch Infragestellung.

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