Grefrath: Inklusion: Unterschiede als Bereicherung

Grefrath: Inklusion: Unterschiede als Bereicherung

Der Kindergarten St. Laurentius hat bei einem Projekt mitgemacht und davon profitiert.

Grefrath. Von Frühjahr 2014 bis Sommer 2015 hatte sich die katholische Kindertagesstätte St. Laurentius an dem Projekt „Auf dem Weg zur Inklusion“ beteiligt. Jetzt wurden Eltern, aber auch Erzieherinnen aus anderen Einrichtungen über die Erfahrungen informiert. Für die Kita-Leiterin Edith Acker steht fest: „Nicht nur das Team, auch die Kinder haben von der Teilnahme an diesem Projekt profitiert.“

Eines vorweg: Es war eine Art Trockenübung und der Begriff „Inklusion“ wurde sehr weit gefasst. Nach dem Projekt wird die Kita St. Laurentius nicht bevorzugt die Adresse sein für Kinder, die irgendwelche Auffälligkeiten zeigen.

Bei der Inklusion, so erfuhren die Besucher jetzt, geht es längst nicht nur um Defizite: Der Ansatz ist vielmehr der, dass alle Kinder ernstgenommen werden so wie sie sind, ob sie ganz klein sind oder schon bald in die Grundschule kommen oder egal, welcher Religionsgemeinschaft sie angehören.

Edith Acker. Kita-Leiterin

Monika Retzer, frühere Trägervertreterin von St. Laurentius, war von dem Pilotprojekt sofort begeistert. Diese Begeisterung hat offenbar ansteckend gewirkt, zumal die Kita mit entsprechenden Arbeitsmaterialien versorgt wurde. Kita-Leiterin Edith Acker verriet folgendes: „Niemand von uns war frei von Vorurteilen.“ Man habe Aktionspläne erstellt und Vorher-Nachher-Szenarien entwickelt. So hätten die Kids früher alle zusammen gegessen, jetzt geschieht dies in kleinen Gruppen. Erzieherinnen machten in Form eines Sketches deutlich, wie das früher aussah und wie es heute abläuft. Da der Aufwand größer ist, hatte man Ballast abgeworfen: So basteln die Kinder keine aufwendigen Weihnachtsgeschenke mehr, außerdem wurden die Eltern verstärkt eingebunden.

„Der Dienstplan wurde komplett umgestaltet“, erklärte Edith Ackers. Und: „Wir nehmen uns mehr Zeit für Gespräche im Team.“ Gegenüber der WZ erklärte sie, dass man jetzt gut gerüstet sei im Umgang mit Kindern mit Handicap und solchen, die einfach anders sind. „Aber trotzdem kann es sein, dass im Einzelfall eine integrative Einrichtung, wie es sie in Oedt unter der Trägerschaft des DRK steht, die bessere Wahl ist“, sagte die Leiterin.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Grundsätze: Unterschiedlichkeit wird als Bereicherung, nicht als Defizit begriffen. Außerdem muss bei den Stärken, nicht bei den Schwächen angesetzt werden. Toleranz ist wichtig, aber auch der Austausch - und die Offenheit zur Auseinandersetzung. In der Kita St. Laurentius haben das die Erzieherinnen verinnerlicht.

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