Initiative kämpft für Gesamtschule

Initiative kämpft für Gesamtschule

Die Sammlung von Unterschriften zeigt erste Wirkung: Die Bezirksregierung ist gesprächsbereit und der Bürgermeister will seine Haltung überdenken.

Mettmann. Ruhig ist es auf dem Pausenhof der Carl-Fuhlrott-Realschule. Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs schleppen altes Mobiliar in ihren Wagen, reden dabei über den schlechten Zustand von Gebäude und Einrichtung. Jan Roth und Jessica Lorenz schauen sich vielsagend an: Beide sind Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich jetzt gegründet hat, um der Forderung nach einer Gesamtschule in Mettmann Nachdruck zu verleihen. Beide wissen: Für die Realschule existiert ein Sanierungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Geld, das sie im Aufbau einer Gesamtschule besser investiert sähen.

40 Mitglieder hat die Bürgerinitiative. Nach wie vor sammeln sie Unterschriften, rund 400 sind es bislang. Um weitere wollen sie unter anderem bei Kinderflohmarkt und Weltkindertag werben. Ihr Kampf setzt sich also auch während der Sommerferien fort, um für die danach weiterlaufende politische Diskussion gut gerüstet zu sein. Dabei weichen offenbar einige Fronten auf: Die Bezirksregierung, bislang gegen drei gymnasiale Oberstufen in Mettmann, scheint ihre Haltung angesichts der aktuellen Schülerzahlen zu überdenken. „Die Bezirksregierung Düsseldorf startet nach den Sommerferien die Beratung der möglichen Beteiligten. Eine Beantwortung ihrer Fragen ist daher zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich“, schreibt Sprecherin Silke Schirmer. Diese Antwort sähe anders aus, wäre die Ablehnung so kategorisch und eindeutig wie bislang.

Jessica Lorenz, Bürgerinitiative

Und auch Bürgermeister Thomas Dinkelmann beeindruckt das starke Bürgervotum und der Umstand, dass von der steigenden Schülerzahl in Mettmann immer mehr in andere Städte abwandern. Daher bewerte auch er seine bisherige Haltung neu, sagte er jetzt.

Denn auch das ist ein warnendes Signal: „Die Schulstruktur in Mettmann hat eine sinkende Akzeptanz. Über ein Fünftel der Schüler verlässt seine Heimatstadt“, hatte Gutachterin Ulrike Lexis Mitte Mai gesagt.

Muss eine Einrichtung zugunsten der Gesamtschule weichen, so steht aus Sicht der Bürgerinitiative fest: Es müsste die Realschule sein. Und das nicht nur wegen des Geldes: „Auf einer Gesamtschule haben Kinder und Jugendliche die besseren Perspektiven“, argumentiert Jessica Lorenz. Es ist die bessere Durchlässigkeit, für die sie sich einsetzen. Fast alle sind selbst Eltern und wollen, dass ihren Kindern so lange als möglich alle Chancen offen stehen. Bleibt es bei Realschule und beiden Gymnasien in Mettmann, so sei ein Abschluss mit Abitur oder Fachabitur für Realschüler stets mit einem Schulwechsel und damit weitaus größeren Hürden verbunden als auf einer Gesamtschule.

„Wir wollen also nicht gegen etwas kämpfen, sondern für etwas“, betont Jan Roth. Und so sehen sie sich auch nicht in Gegnerschaft mit den beiden Gymnasien Mettmanns: Untersuchungen in anderen Städten hätten gezeigt, dass bei Einführung einer Gesamtschule „die Gymnasien nichts abgeben“. Eine Konkurrenz zur Gesamtschule gebe es also nicht, die Schülerzahlen der Gymnasien bleiben konstant.

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