Hochdahl: Mit Taktgefühl an die Leistungsgrenze

Hochdahl: Mit Taktgefühl an die Leistungsgrenze

Mit einem achtstündigen Marathon auf Spinning-Bikes sammelte der TSV Hochdahl Geld, um behinderte Sportler zu unterstützen.

Hochdahl. Schwitzen. Strampeln, ohne von der Stelle zu kommen. Auf Geheiß von oben noch mehr strampeln. Oder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Im Hochdahler Sport- und Gesundheitszentrum sitzen 76 Männer und Frauen auf Indoor-Bikes und treten in die Pedalen, was das Zeug hält.

Zum dritten Mal veranstaltete der TSV am Wochenende seinen achtstündigen Spinning-Marathon zugunsten des Behindertensports. 145 haben sich angemeldet. Und die Teilnehmer? Die fahren so richtig ab. Das Verausgaben zu lauten Disko-Rhythmen bereitet offensichtlich allen Riesenspaß. Am Ende der Benefizaktion wird der TSV um die 1200 Euro eingefahren haben.

"Es ist wichtig, Spannungen abzubauen", sagt Christa Fleskes vom TSV. Die 67-Jährige ist die älteste Spinning-Trainerin der Republik. Wenn sie erzählt, spricht sie mit Leidenschaft. Was am "In-der-Halle-Rad-fahren" so toll sei? "Keiner kann dem anderen wegfahren."

Oben, auf der Bühne, gibt der Diskjockey mit den Beats seiner Musik gleich die Fahrgeschwindigkeit an. Der lachsfarbene Linoleumboden vibriert - dumpfer Techno-Sound dröhnt aus den Boxen. "Auf den Punkt konzentrieren", lautet der Befehl.

Dem lässt "Einpeitscher" René Maier ein aufmunterndes "Ich könnte noch eine Stunde fahren" folgen. Dann wechselt die Musik, es jammert harmlos eine Geige - doch nur einen Wimpernschlag lang. Zu den Klängen von Rimsky-Korsakows "Hummelflug" heißt es wieder: "Stoff geben".

Die Luftkonsistenz der Halle gleicht einem Tropenhaus. Der Träger eines "Waschbärbauchs" hechelt sich zwischen zwei durchtrainierten Frauen. Treten im Sitzen wechselt mit Treten im Wiegeschritt. Vorn am Lenker sind Halterungen für die Wasserflaschen. Pro Stunde soll ein Liter getrunken werden, lautet die Empfehlung.

Die Planung des Marathons hat viel Zeit gekostet. "Es war ein festes Team von acht Personen, die alles organisiert haben. Insgesamt hatten wir 30 Helfer", sagt Fleskes. Unter anderem mussten Hotels für die Trainer gebucht werden, die aus ganz Deutschland in die Halle an der Sedentaler Straße gekommen sind.

René Maier ist aus Süddeutschland angereist. "Ich finde es so gut, dass hier der Behindertensport unterstützt wird, ich komme im nächsten Jahr wieder", sagt der 44-Jährige. Der sportliche Unternehmer liebt das Radfahren, auch draußen. Zuletzt ist er von Sonthofen nach Flensburg gefahren.

Dass Maier einen amputierten Unterschenkel hat, erklärt sein Interesse für den Behindertensport. Bei dieser Veranstaltung gibt er den Ton an: "Könnt ihr noch mehr?"

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