Kreis Mettmann: Physik, die hängen bleibt

Kreis Mettmann: Physik, die hängen bleibt

49 Schulen und 81 Unternehmen sind im Netzwerk „Schule und Wirtschaft“ des Kreises Mettmann.

Kreis Mettmann. Mit quietschenden Reifen fährt der Lkw der Spedition Weiss an, beschleunigt auf 30 Kilometer pro Stunde und bremst dann schlagartig ab. Die ungesicherte, eine Tonne schwere Transportbox auf der Ladefläche rutscht nach vorne und prallt mit voller Wucht auf. Ein lauter Knall lässt die Schüler des Physik-Leistungskurses an der Gesamtschule Heiligenhaus zusammenschrecken.

Die Mädchen kreischen, der 19-jährige Ozan Kilic zückt seine Handy-Kamera. Dieses Experiment will er unbedingt festhalten. Im Physik-Unterricht haben die Schüler das Thema Massenträgheit ausgiebig behandelt, nun schließen sie die Unterrichtsreihe mit der praktischen Übung auf dem Gelände der Spedition Erich Weiss ab.

"Dann bleibt der Stoff aus dem Unterricht einfach besser hängen", sagt Ozan. Denn diesen Knall würde er nicht so schnell vergessen.

Die Gesamtschule Heiligenhaus ist eine von 49 Schulen im Kreis Mettmann, die sich am Kooperationsnetzwerk Schule und Wirtschaft (KSW) beteiligen. Das Netzwerk wird seit 2002 im Auftrag und unter Projektleitung der Wirtschaftsförderung des Kreises Mettmann vom Institut Unternehmen und Schule durchgeführt.

Eingebunden in das KSW Mettmann sind 81 kleine und mittelständische Unternehmen, die zum Teil gebündelt Partner einer Schule werden. Dem KSW Mettmann gehört inzwischen mehr als jede zweite weiterführende Schule im Kreisgebiet an, es beteiligen sich alle Schulformen. Das Partnerunternehmen einer Schule wird regelmäßig in den Unterricht eingebunden, nämlich immer dann, wenn es der Schulstoff zulässt.

Entweder ein Vertreter des Unternehmens besucht die Schüler in ihrer Lernumgebung, oder die Schüler gehen in den Betrieb. "Das Projekt steht unter ständiger Qualitätskontrolle. Wir achten sehr darauf, dass es sich bei dem Austausch zwischen den jeweiligen Schulen und dem Unternehmen nicht um eine einmalige Sache handelt", sagt Dirk Haase, Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises Mettmann.

Aus dem Netzwerk seien auch Arbeitsverhältnisse entstanden. In Erkrath beispielsweise sind sechs bis sieben Handwerks-Betriebe gebündelt dem Netzwerk angeschlossen. In sechs Jahren haben sich dabei sieben Arbeitsverhältnisse mit ehemaligen Schülern der Partnerschulen ergeben.

"Doch die Vermittlung ist nicht unser Hauptziel, sondern eher ein Nebenprodukt der Kooperation. In erster Linie sollen die Schüler erkennen, dass sie den Stoff aus dem Unterricht auch in der Praxis gebrauchen können", sagt Haase.

Sowohl Schulen als auch Unternehmen profitieren von der Zusammenarbeit. Haase: "Für die Unternehmen bietet sich die Chance, sich und ihre Produkte darzustellen und Nachwuchs zu akquirieren - Nachwuchs, der sich dann auch bereits mit dem Unternehmen auskennt." Die Schüler, auf der anderen Seite, lernen, die Theorie aus dem Unterricht in der Praxis anzuwenden - ob nun physikalische Gesetze, Kunst oder Mathematik.

Für Peter Hegendorf, technischer Betriebsleiter der Spedition Weiss in Heiligenhaus, ist es nicht der erste Besuch einer Schulklasse der Heiligenhauser Gesamtschule. "Wie immer sind Schüler dabei, die mehr und andere, die weniger engagiert sind. Aber dennoch bin ich immer der Meinung, dass wir jedem etwas mit auf den Weg geben können."

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