Soldaten sagten „Good bye“

Soldaten sagten „Good bye“

WZ recherchiert die Geschichte hinter den historischen Fotos, die ein Leser der Redaktion zur Verfügung gestellt hat.

Hilden. Manchmal bringt das Stöbern in alten Fotos ein historisches Dokument zum Vorschein. Diese Erfahrung machte WZ-Leser Karl-Heinz Herzog, der im Familienordner alte Negative entdeckte. Die Aufnahmen hatte er im Jahr 1968 vor seinem damaligen Wohnort an der Walder Straße gemacht. „Ich war beeindruckt und erschrocken über die Fahrzeuge und Geschütze“, erinnert er sich an den Tag, an dem die Fotos entstanden sind. Es war der 31. März 1968. An diesem Tag verließen die britischen Soldaten die Waldkaserne.

Die von Herzog zur Verfügung gestellten Fotos hat die WZ an das Stadtarchiv weitergeleitet. Dort findet sich auch die Geschichte zu den Hintergründen, die zu der Abschiedsparade der britischen Soldaten auf der Walder Straße geführt haben: Begonnen hat alles am 15. November 1938. An diesem Tag rückten erstmals Soldaten der Wehrmacht in die neu gebaute Flak-Kaserne an der Elberfelder Straße ein — und Hilden wurde damit zur Garnisonsstadt. Zehn Tage später rückten die Soldaten wieder aus: zum Stadtempfang mit Festakt ins alte Rathaus (heute Bürgerhaus).

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Kaserne fast 25 Jahre lang als Unterkunft für amerikanische und englische Soldaten. Nachdem am 16. April 1945 die nur geringfügig beschädigte Kaserne zunächst vom 22. US-Corps belegt wurde, zog am 15. Juni 1945 die 53. Division der britischen Streitkräfte ein. Fortan hieß die Kaserne „St. Davids Barracks“ — benannt nach dem Schutzpatron der Waliser.

Ab Juli 1964 belegte das 34. Light Air Defence Regiment der Royal Artillery die Kaserne, dessen Soldaten sich vier Jahre später mit der Parade über die Walder Straße von den Hildenern verabschiedeten. Damit endete die Stationierungszeit der Engländer in Hilden, die in dieser Zeit von Besatzern zu Freunden geworden waren. „1962 hatten sich die gegenseitigen Begegnungen schon so verstärkt, dass ein von beiden Seiten geförderter English-German Youth-Club (Englisch-deutscher Jugendclub) gebildet wurde“, heißt es dazu in einer Chronik, die 1998 anlässlich eines Doppeljubiläums der Waldkaserne erschienen ist: „60 Jahre Standort Hilden und 30 Jahre Bundeswehr in Hilden.“

Auch nachdem die Bundeswehr in die Kaserne eingezogen war, hatte die Freundschaft zwischen der Stadt Hilden und den englischen Soldaten noch Bestand. Letztendlich führte sie sogar zur Städtepartnerschaft zwischen Hilden und Warrington. Doch auch mit den Soldaten der Bundeswehr wurden schnell freundschaftliche Bande geknüpft. Sichtbares Zeichen dafür ist ein Beschluss des Stadtrates, der sich in diesen Tagen zum 33. Mal gejährt hat: Am 2. November 1988 übernahm die Stadt eine Patenschaft über die in der Waldkaserne (diesen Namen trägt sie seit dem 7. Juni 1969) stationierten Truppenteile.

Vor dem Hintergrund dieser engen Verbundenheit ist auch die Erleichterung zu sehen, die sich vor einer Woche in Hilden breitgemacht hat: Die Waldkaserne mit ihren 1800 Beschäftigten bleibt von der Bundeswehrreform verschont. Während in anderen Städten die Kasernen geschlossen werden, wird der Bundeswehr-Standort in Hilden sogar noch aufgewertet: Der Feldjägerbataillonsstab wird zum Regimentstab. Damit ist Hilden — neben Berlin und München — eines der drei Regimente in Deutschland und hat dann acht Feldjägerkompanien unter sich. Derzeit sind es vier.

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