Bauern befürchten Mini-Ernte

Bauern befürchten Mini-Ernte

Der Regen der vergangenen Tage reicht nicht aus, um die Pflanzen ausreichend zu wässern.

Kreis Mettmann. Schauer und ergiebige Niederschläge, mehrere Tage Landregen: Was haben die Meteorologen in den vergangenen zehn Tagen nicht alles angekündigt und vorhergesagt. Tatsächlich haben sich die Himmelsschleusen nur einen Spaltbreit geöffnet. Der lang erhoffte Regen ist dürftig ausgefallen.

„Das war ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir freuen uns trotzdem über jedes bisschen Feuchtigkeit, das vom Himmel kommt.“ Für den Ratinger Landwirt Hanno Paas und seine Kollegen im Kreisgebiet bleibt angesichts der wochenlangen Trockenheit die Lage angespannt.

30 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter wären nötig gewesen, um die schlimmsten Nöte zu lindern. „Knapp sechs Millimeter sind aber nur gefallen — stellenweise. In Breitscheid-Nord gab es noch weniger Regen.“

Inzwischen sind die Böden bis in die Tiefe ausgetrocknet. Während die Zuckerrüben mit dem Wassermangel gut zurechtkommen („die Wurzeln gehen jetzt noch tiefer“), leiden Getreide und Raps heftig. Paas: „Hier sind Ertragseinbußen absehbar.“

Sein Sohn Johannes schildert die Lage: „Die Rapsblüte war vielversprechend. Dann kam der trockenste und wärmste April aller Zeiten. Aber bis zur Ernte braucht Raps gut 200 bis 250 Liter Regen pro Quadratmeter.“ Das sei nicht mehr zu schaffen. Kleine Schoten beim Raps, kümmerliche Ähren beim Getreide: Die Pflanzen versuchen, irgendwie durchzukommen.

Einen kleinen Vorteil hat die Trockenheit aber. „Es gibt viel weniger Pilze und andere Krankheiten. Dadurch müssen wir auch weniger spritzen“, erklärt Johannes Paas. Der Landwirt hofft, mit einem blauen Auge davon zu kommen: Durch eine breite Streuung beim Anbau könnten Ausfälle besser aufgefangen werden. „Aber einem kleineren Betrieb kann es schon wehtun.“

Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, weiß, dass der Süden des Kreises Mettmann stärker unter der Trockenheit leidet. „Die leichten, sandigen Böden können überhaupt kein Wasser halten. Manche Kollegen müssten längst bewässern, aber das kostet auch ein Heidengeld.“

Wie es weitergeht, müssen die nächsten Wochen zeigen. Dahlmann schätzt, dass es bei manchen Früchten bis zu 40 Prozent Einbußen geben wird. „So ist das: Wir leben von und mit der Natur — und können sie nicht ändern.“

Auch Josef Aschenbroich, Landwirt aus Langenfeld, hatte sehnlichst auf Regen gehofft. Er bebaut die sandigen Böden in Rheinnähe. „Beregnen dürfen wir hier gar nicht. Dafür braucht man Wasserrechte. Und die gibt es nicht, weil hier überall Wasserschutzgebiet ist.“

Ein Drittel seines Weizens musste er bereits unterpflügen. „Der sah wunderbar aus und ist gut losgewachsen. Doch dann gab es im März schon zu wenig Regen.“ Mit Flüssigdünger hatte er noch versucht, die Pflanzen zu päppeln, aber als die unteren Blätter abstarben und die Ähren immer kleiner wurden, wusste er: „Das wird nichts mehr.“

Zum Glück für die Bauern liegen die Preise für ihre Erzeugnisse immer noch auf einem hohen Niveau. Das gleiche die Ernteverluste teilweise aus. Aschenbroich ist aber froh, dass er sich mit Hühnerhaltung ein zweites Standbein aufgebaut hat.

Auf Zuschüsse und Entschädigungen brauchen die Bauern nicht zu hoffen. Johannes Paas: „Da gibt es nichts — weder aus Berlin noch aus Brüssel.“