Wenn das Mitgefühl schwindet

Wenn das Mitgefühl schwindet

Alexianer haben bei Behandlung einer besonderen Demenz eine Vorreiterrolle. Prof. Förstl referierte.

Krefeld. Professor Hans Förstl gilt als herausragender Forscher in seinem Fachgebiet, er beschäftigt sich mit einer besonderen Form der Demenz. Bei der Erkrankung schwindet nicht das Gedächtnis, sondern das Einfühlungsvermögen. Auch die Alzheimer Gesellschaft Krefeld und die Alexianer GmbH befassen sich intensiv mit dem Thema. Der Experte von der TU München kam jetzt zu einem Vortrag in die Stadt, der Fachleute aus ganz NRW anzog.

Über 200 Interessierte wollten sich im Seidenweberhaus über Ursachen, Behandlung und Hilfestellungen bei der sogenannten Frontotemporalen Demenz informieren. „Erkrankte verändern sich stark in ihrem Verhalten, werden häufig stur, aggressiv und unruhig oder auch apathisch; sie können Gefahren nicht mehr richtig einschätzen und verlernen, Gefühle zu erkennen und auszudrücken“, sagt Förstl. Oft werde das nicht als Demenz erkannt: „Was sie sich merken wollen, merken sie sich.“ Zudem beginnen die Probleme meist schon vor dem 60. Lebensjahr.

Konflikte mit Mitmenschen, am Arbeitsplatz, in der Familie seien vorprogrammiert. Ehen können daran zerbrechen. Und genau hier setzt die Alexianer GmbH an. Dirk Bahnen, Leiter der Beratungsstelle für Alterserscheinungen der Alexianer GmbH, hat vor einigen Jahren eine Selbsthilfegruppe für Angehörige ins Leben gerufen. Es war die erste in Deutschland und sei heute eine von zehn, sagt Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

Die Teilnehmer kommen teilweise sogar aus Köln nach Krefeld, derzeit sind es rund zehn. Die Erkrankung werde nicht häufig diagnostiziert, Hilfsangebote seien daher selten. Wie viele in Krefeld betroffen sind, könne man nicht sagen. Die Experten rechnen mit fü´nf bis zehn Prozent aller Demenz-Erkrankten. „Die Diagnose wird oft gar nicht oder erst nach Jahren erkannt“, sagt Förstl.

Der Austausch der Angehörigen sei dabei umso wichtiger. Da die Erkrankung nicht zu behandeln sei, stehen Tipps für den Umgang im Alltag im Vordergrund. „Es ist entscheidend, Ruhe zu bewahren und sich klar zu machen, dass Beleidigungen nicht persönlich gemeint, sondern Teil der Erkrankung sind — und zu sehen, dass andere mit denselben Problemen zu kämpfen haben“, erklärt Bahnen.

Er denkt bereits weiter, wünscht sich ein Zentrum speziell für die Betroffenen. Ehrenamtliche Helfer, die als Außenstehende zu den Ehepaaren oder Familien stoßen, könnten aber auch einiges bewirken, findet er. „Doch diese Helfer benötigen eine spezielle Weiterbildung, um mit dem Verhalten der Erkrankten umgehen zu können“, sagt er. Er hat bereits ein Schulungs-Konzept in der Schublade. „Jetzt geht es darum, das auch umzusetzen.“