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Prozess: Niemand will die Pokerspieler gesehen haben

Prozess: Niemand will die Pokerspieler gesehen haben

Angeklagter soll 4000 Euro aus Vereinslokal gestohlen haben.

Krefeld. Wer nun wen bestohlen, bedroht oder gar verletzt hatte am Ostermontag 2010, das herauszufinden gestaltete sich vor dem Amtsgericht schwieriger als zunächst angenommen.

Dabei war die Anklage wegen räuberischen Diebstahls deutlich: Nach einer durchzechten Nacht soll der 54-jährige K. in einem Vereinslokal am Südwall rund 4000 Euro an sich genommen haben und geflüchtet sein. Das Geld soll auf der Theke gelegen haben. Als K. dann von dem Betreiber des Lokals verfolgt wurde, habe er diesen bedroht und geschlagen. Wenig später soll er dann mit einem Baseballschläger zurückgekehrt sein und die Scheibe des Lokales zertrümmert haben.

„Die Sache mit dem Baseballschläger und der Scheibe gebe ich ja zu“, so der Angeklagte. Dann aber meinte er, dass es sich bei dem Lokal keinesfalls um einen Ort zur Förderung von Vereins- oder Kulturleben handele, sondern um eine Art Spielhölle.

„Ich bin schon besoffen da rein gekommen. Dann habe ich noch fast eine Flasche Cognac getrunken und leider ständig beim Poker verloren. Also bin ich dann raus, um Geld aus meinem eigenen Kulturverein an der Gladbacher Straße zu holen.“ Sein Verein habe sich der Förderung türkisch-italienischer Zusammenarbeit verschrieben und sei nicht etwa ein Pokerklub mit Einlasskontrolle wie am Südwall.

Von derartigen Vorgängen in seinen Räumen jedoch wollte der Betreiber nichts wissen. Er konnte der Richterin zwar sein Vereinsziel nicht erklären und gab an, er würde nur Getränke verkaufen. Was seine Gäste mit ihren Karten so trieben, sei ihm ein Rätsel. „K. hat die Beiträge meiner Vereinsmitglieder gestohlen. Das Geld hatte ich an der Theke gezählt.“

Auch anderen Zeugen, die sich in der Nacht in dem Lokal aufgehalten hatten, seien die Pokerspieler nicht aufgefallen. Vielmehr wolle man sich dort nur nett unterhalten haben. Ein Zeuge verweigerte die Aussage, als er belehrt wurde, dass die Teilnahme an illegalen Glücksspielen strafbar sei.

Die mutmaßlich gestohlenen 4000 Euro wurden bisher nicht gefunden. Der Prozess wird im Februar fortgesetzt. ten