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Krefeld: Schönhausenchor bringt Musik in den Chemiepark

Musik : Schönhausenchor bringt Musik in den Chemiepark

In Hohenbudberg — genauer in St. Matthias — hat ein Sommerkonzert direkt am Fluss stattgefunden.

Auf der einen Seite umgeben St. Matthias die Gebäude des Chemieparks, auf der anderen Seite hat die neugotische Kirche eine schöne Lage gleich am Rhein — optimal für ein Sommerkonzert am Fluss.

Der Titel des Konzerts, zu dem der Schönhausenchor am Mittwochabend geladen hatte: „Kanta Jaunari... wohltemperiert“. Neue Chormusik und Piano solo von Johann Sebastian Bach lockt mit Vertrautem, da jeder Liebhaber klassischer Musik „wohltemperiert“ mit Bach assoziiert. Doch was sich hinter „Kanta Jaunari“ verbirgt, blieb erst einmal ein Rätsel, aber es sorgte für viele neugierige Besucher in Hohenbudberg.

Schon zwei Wochen vor dem Konzert waren alle Karten ausverkauft und die erste Vorsitzende des Schönhausen-Chor Gabriele Schulten erklärt mit Augenzwinkern in ihrer Begrüßung: „Wir haben gestern überlegt, ob wir die Kirche erweitern könnten.“

Der Schönhausen-Chor Krefeld unter der Leitung von Joachim Neugart unternimmt in seinem Sommerkonzert am Fluss eine musikalische Reise in die zeitgenössische Chormusik mit Werken von Komponisten aus — fast — aller Welt.

Zu hören sind Werke von Amerikanern, Engländern, einem Norweger sowie einem Spanier. Letzterer, der sich vermutlich eher als ein Baske bezeichnen dürfte, hat mit seinem Stück „Kanta Jaunari Kantu Berria“ (Singet dem Herrn ein neues Lied) den Titel dieses Konzerts geliefert.

Es beginnt mit der „Ballad to the Moon“ von Daniel Elder (*1986). Anthony Halliday aus Melbourne begleitet dabei den Chor am Flügel. Mit zarten verträumten Klängen entsteht eine romantische Stimmung, wie sie dem romantischen Text entspricht. Die feinen Nuancierungen in der Lautstärke des Gesangs unterstreichen dies auf wunderbare Weise.

Ruhe ist auch das Leitmotiv in „The Music of Stillness“ der amerikanischen Komponistin Elaine Hagenberg (*1979). Sehr überzeugend interpretieren die Sänger des Schönhausen-Chors dieses Stück und schaffen eine schöne Stimmung. Da hat der Dirigent anschließend Mühe, das Publikum davon abzuhalten, diese zauberhafte Atmosphäre durch Klatschen zu zerstören.

Die musikalische Reise geht nun weiter in den Barock zu Johann Sebastian Bach mit dem Praeludium und Fuge in f-Moll (BWV 881) und dem Praeludium und Fuge in As-Dur (BWV 862) aus dem „Wohltemperierten Klavier“.

„Der Pianist hat schon für den Papst und Königin Elizabeth gespielt“, so hatte Schulten den australischen Pianisten kurz vorgestellt. Halliday liefert einen romantisch verklärten Bach; von der Klarheit und der Struktur Bach’scher Musik, gerade bei den Fugen, ist nicht viel zu hören. Die will er gar nicht herausarbeiten — er spielt ohne „Punkt und Komma“. Der Pianist nutzt die Töne, um eine gefällige Musik zu produzieren.

Auch wenn er vor Johannes Paul II und der Queen gespielt hat, drängt sich die Frage auf, ob Bach bei dieser Interpretation auch „amused“ gewesen wäre?!

Nach den Noten von John Rutter (*1945) jubiliert der Chor „For the Beauty of the Earth“. Der Lobgesang bringt ein mitreißendes Schwelgen in schönsten Harmonien. Ähnlichen Genuss, nun mit der Unterstützung durch das Streichquartett Sonare aus Neuss, bietet auch „The Ground“ des 1976 geborenen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Das jauchzende Hosanna endet in einer behutsam vorgetragenen Bitte um Frieden.

Nach der Pause geht es weiter mit der sehr überzeugenden Aufforderung „Kanta Jaunari“ von Josu Elberdin (*1976), einem musikalisch besonders anspruchsvollen Stück. Ein zarter Nachtgesang zwischen schwebenden Stimmen und kraftvollem Gesang von Randall Thompson (1899-1984) folgt.

Zum Finale wird Gjeilos „Luminous Night of the Soul“. Das begeisterte Publikum erhält schließlich eine Dosis Ruhe durch die Zugabe einer einfühlsamen Interpretation des deutschen Volkslieds „Abend wird es wieder“.

Ein zauberhafter Abend mit vielen musikalischen Entdeckungen in einem hervorragend ausgewählten Programm.