„Jeder steckt die Kritik anders weg“

„Jeder steckt die Kritik anders weg“

Neue Selbsthilfekurse für Menschen mit Angststörungen und Depressionen starten.

Krefeld. „Anfangs war ich skeptisch“, sagt Marlene (63), die sich an die Anfänge des Selbsthilfe-Kennenlernkurses im Begegnungszentrum Wiedenhof erinnert. Doch nun möchte sie den Austausch mit anderen Menschen, die unter Depressionen leiden, nicht mehr missen. „Man muss sich Zeit geben.“ Darin pflichtet ihr Mara (48) bei, die ebenfalls an dem Kurs teilnimmt.

Unter der Leitung von Anne Behnen haben die beiden gemeinsam mit einer weiteren Frau sowie vier Männern im Alter von Mitte 30 bis 70 Jahren an den vierzehntägig stattfindenden Treffen teilgenommen. Es gibt klare Regeln in der Gruppe: Es herrscht Schweigepflicht nach außen hin, man soll respektvoll miteinander umgehen, zuhören und nicht dem anderen seine Meinung aufdrängen. „Schließlich steckt jeder Kritik anders weg“, erläutert Mara.

Für sie sind manchmal die Probleme der anderen eine zusätzliche Belastung, während Marlene festgestellt hat, dass sie die Probleme anderer eher von ihren eigenen ablenken. Einmütig erklären die beiden jedoch: „Am Ende geht jeder besser wieder raus, erleichtert. Und ich bin froh, dass ich hingegangen bin.“ Sich aufzuraffen, fällt manchmal etwas schwer — doch damit haben bekanntlich auch Menschen ohne Depressionen hin und wieder ihre Mühe.

Jedes Gruppentreffen beginnt mit einem „Blitzen“, das heißt jeder berichtet, wie er sich gerade fühlt und meldet eventuell Gesprächsbedarf zu einem Thema an.

Anfangs, wenn die Gruppenmitglieder noch nicht miteinander vertraut sind, kann es an konkreten Fragen und Wünschen an die Runde fehlen. „Das Schwere hat seinen Platz in den Sitzungen, aber auch genauso das Leichte“, sagt Anne Behnen.

Zum Abschluss des Kurses gönnt man sich einen besonderen Ausklang, indem gemeinsam gekocht und gegessen wird. „Das ist sehr entspannend“, erinnert sich Mara. gmk

Mehr von Westdeutsche Zeitung