Prostitution: Eros-Center ist laut Stadt kein Bordell

Prostitution: Eros-Center ist laut Stadt kein Bordell

Freudenhaus an der Mevissenstraße wird offiziell von der Verwaltung als Hotel geführt.

Krefeld. Vier rote Herzen an der Hausfassade, viele kleine Fenster in einem mehrgeschossigen Gebäudetrakt dahinter. Ein sichtgeschützter Parkplatz. Das Eros-Center an der Mevissenstraße ist in Krefeld stadtbekannt — als Bordell. In kaum einem Etablissement in Krefeld werden so offensichtlich sexuelle Dienstleistungen angeboten, wie in dem Gebäudekomplex an der Mevissenstraße.

Nur bei der Krefelder Stadtverwaltung wird das Eros-Center in dem Gewerbegebiet im Stadtteil Kempener Feld/Baackeshof offiziell als Hotel geführt. Das geht aus dem im Planungsausschuss vorgelegten Vergnügungsstättenkonzept hervor, das Thema in der morgigen Ratssitzung ist. Laut dem Konzept bestehe an der Mevissenstraße ein bordellartiger Betrieb, der offiziell als Wohnheim geführt werde.

Für viele Politiker ist diese Tatsache nicht nachvollziehbar. In der vergangenen Sitzung des Ordnungsausschusses machte Grünen-Ratsfrau Barbara Behr das Thema öffentlich und konfrontierte Stadtdirektorin Beate Zielke und Ordnungsamtsleiter Georg Lieser mit der Frage nach dem Hintergrund der Einordnung des Eros-Centers als Wohnheim — und eben nicht als Bordell.

Zielke verweist darauf, dass diese Kennzeichnung durch die Stadt vor geraumer Zeit durch die Politik mitgetragen wurde und das Eros-Center seitdem eben nicht als Bordell eingetragen ist. „Das war eine Grundsatzentscheidung Anfang der 90er Jahre“, sagt auch Georg Lieser.

Die Verwaltung tut sich schwer mit Antworten auf Fragen, die vor allem Anfang der 90-er Jahre unmissverständlich geklärt wurden. Damals gab es nach Informationen der WZ Protest von Anwohnern gegen die Ansiedlung eines Bordells im Bereich der Mevissenstraße. Vor allem die Bezeichnung „Bordell“ bereitete damals wohl vielen Bauchschmerzen. Trotzdem wurde das Eros-Center 1991 eröffnet und seitdem von der Verwaltung als Betrieb geführt, der gewerblich Zimmer vermietet. Offiziell also keine Spur von Prostitution.

Die Stadt will die Recherchen der WZ weder bestätigen noch dementieren und erklärt durch Stadtsprecher Timo Bauermeister lediglich: „Wir werden verwaltungsseitig das Thema zunächst gründlich aufarbeiten — mit Klärung aller relevanten Fragestellungen beziehungsweise Aspekte.“

Eine grundlegende Aufklärung der Hintergründe verlangt auch Ratsfrau Gisela Klaer, die das Thema am Montag ganz oben auf die Agenda der SPD-Fraktionssitzung packte. „Das Thema ist bei uns im Rahmen unserer interfraktionellen Arbeitsrunde ,Prostitution’ auf den Tisch gekommen. In einem Gespräch mit der Stadt wurde uns damals mitgeteilt, dass die Umwidmung des Eros-Centers auch deshalb so kompliziert wäre, weil es zu Regressansprüchen kommen könnte“, erläutert Gisela Klaer.

Ob es sich dabei um der Stadt entgangene Gewerbesteuereinnahmen geht, bleibt offen. Nach WZ-Informationen soll von den Betreibern des Bordells Vergnügungssteuer entrichtet werden.

Dass das Bordell nicht als solches geführt werde, bezeichnet Gisela Klaer als „Euphemismus“. Fraktionsübergreifend fordern die Politiker im Ordnungsausschuss Transparenz von der Stadt und Antworten auf viele offene Fragen.

Laut Polizei wird das Eros-Center unangekündigten Kontrollen unterzogen. Ob es Beziehungen zwischen dem Betreiber und Personen aus dem Rockermilieu gebe, wollten die Ordnungshüter aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht mitteilen.

Generell, so Polizeisprecherin Karin Kretzer, würden vor Ort Anzeigen geschrieben und man reagier, sollte auffallen, dass sich unter den Prostituierten im Eros-Center Minderjährige befinden. „Dies ist in den vergangenen Jahren mit einer Ausnahme aber nicht der Fall gewesen. Wesentlich häufiger treffen wir bei der Wohnungsprostitution auf minderjährige Prostituierte“, sagt Kretzer. Diese Prostitutionsform stelle das größte Problem dar.

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