Düsseldorf: Wie die Stadt mobil Raser kontrolliert

Düsseldorf: Wie die Stadt mobil Raser kontrolliert

Das Ordnungsamt ist mit fünf Fahrzeugen unterwegs. Standorte werden veröffentlicht, Schwerpunkt ist die Schulwegsicherung.

Düsseldorf. Jeden Montag gibt das Ordnungsamt im Internet bekannt, wo es in der laufenden Woche, die Geschwindigkeit der Autofahrer kontrolliert. Wir waren bei einem Messpunkt vor Ort und erläutern, wer über die Standorte entscheidet, und wo die Stadt überhaupt kontrollieren darf.

Es will so gar nicht richtig hell werden an diesem Morgen. Im Stadtteil Wersten auf der Werstener Friedhofstraße hat Sonja Güttgemanns um 7.34 Uhr einen Parkplatz für den grauen kleinen Kastenwagen gefunden. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes richtet die Kamera im Kofferraum und ihre Kontrollgeräte neben dem Fahrersitz ein. Und schon beginnt die mobile Radarkontrolle im Rahmen der Schulwegsicherung. Denn an der Werstener Friedhofstraße nahe Werstener Feld befindet sich die Christopherus-Grundschule. Bis 10.15 Uhr registriert ihr Bordcomputer 411 Fahrzeuge in Richtung Süden. Nur sechs der Fahrer sind bislang in der Tempo-30-Zone zu schnell.

„Das ist recht ruhig“, stellt Güttgemanns fest. Die Verwaltungsangestellte macht den Außenjob seit 2006. Sie weiß aus Erfahrung: „Wenn die Schule gerade erst wieder angefangen hat, fahren viele Autofahrer bewusst langsamer.“

Güttgemanns sitzt in dem unauffällig grauen Wagen, kontrolliert die Qualität der Fotos der Fahrer die zu schnell unterwegs waren. Am Ende ihres Einsatzes speichert sie die Daten auf einem Stick. Sie werden dann im Ordnungsamt ausgewertet und gegebenenfalls die Anhörungsbögen mit der Höhe der Verwarngelder an die Halter der Fahrzeuge verschickt.

Sonja Güttgemanns, Ordnungsamt

Wer bei den mobilen Kontrollen geblitzt wird, merkt es meist nicht. So hat Sonja Güttgemanns auch kaum Ärger mit den erwischten Rasern. Ein paar mal im Jahr muss sie zwar als Zeugin vor Gericht aussagen. Positive Resonanz bei ihrer Arbeit bekommt sie aber von Schulen und vielen Anwohnern, die die Kontrollen in ihren Straßen begrüßen.

„Die Polizei darf überall die Geschwindigkeit kontrollieren, die Stadt nicht“, erläutert Oliver Bönsch, beim Ordnungsamt für die Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachung zuständig. Die mobilen Kontrollen können zwar an 650 Standorten in Düsseldorf stattfinden. Wesentliches Kriterium sei ein „schutzwürdiger Bereich“, das bedeutet, dass sich in der Nähe eine Kita, eine Schule oder ein Altenheim befindet.

Das Ordnungsamt nimmt laut Oliver Bönsch alle Beschwerden über Raser der Bürger an. „Wir schauen uns die Situation dann vor Ort an, gucken zum Beispiel — wie auch bei jeder Messung — ob die Beschilderung in der Straße richtig ist.“ Aber es müsse wirklich einen Grund für die Geschwindigkeitskontrollen vorliegen.

Bevor es dazu kommt, wird in Absprache mit dem Amt für Verkehrsmanagement eine so genannte Smiley-Tafel aufgestellt, die den Autofahrern ohne Konsequenzen zeigt, wie schnell sie gerade unterwegs sind. Die Stadt kann dann die allgemeinen Daten (Anzahl Fahrzeuge, Geschwindigkeit) auswerten und entscheiden, ob es wirklich einen Grund gibt, dort mobil zu kontrollieren.

Mit Blick auf die Daten des gerade abgelaufenen Jahres gibt Bönsch ein paar Beispiele. In der Werstener Friedhofstraße beispielsweise tappen im Durchschnitt zehn Fahrer und Fahrerinnen pro Stunde in die Radarfalle. Ganz weit oben im negativen Sinne ist die Situation allerdings auf der Mettmanner Straße. Hier, in der Nähe der KGS Mettmanner Straße, fahren pro Stunde 25 Prozent der Fahrer zu schnell. Und der Spitzenreiter, der bei den mobilen Kontrollen 2016 erwischt wurde, raste mit 74 Kilometern pro Stunde im Sommer am Spielplatz an der Reeser Straße (Tempo-30-Zone) vorbei. Ist ein Standort wie die Mettmanner Straße auffällig, erhöht das Ordnungsamt die Zahl der Kontrolltage oder lässt beispielsweise zusätzlich Piktogramme aufbringen.

Im Internet veröffentlicht die Stadt, wann und wo die mobilen Geschwindigkeitskontrollen stattfinden und auch, wo sich die stationären Blitzer befinden. Oliver Bönsch erläutert: „Wir wollen damit die Akzeptanz der Kontrollen fördern.“ Ziel der Stadt sei es, gefährliche Situationen zu verhindern.

Durch die Veröffentlichungen, die es auch in anderen Internetportalen gibt, fahren dann viele Verkehrsteilnehmer schon nicht mehr so schnell, hat Bönsch festgestellt. Er betont: „Die Kontrollen haben nicht den Sinn, dass die Stadt Geld einnimmt.“ Das sei allerdings ein positiver Nebeneffekt.

wz.de/duesseldorf.de

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