Verkehr: Immer mehr fahren bei Dunkelgelb

Verkehr: Immer mehr fahren bei Dunkelgelb

Die Polizei bemängelt sinkende Verkehrsmoral. Gerade erst wurde eine Frau von einer Rotfahrerin verletzt.

Düsseldorf. Peter Kalenscher steht mittags an der Ampel Talstraße/Herzogstraße: Gerade springt für den 68-jährigen Fußgänger die Ampel auf Grün, da rauscht vor ihm noch ein Auto vorüber. Ein alltägliches Bild an dieser vielbefahrenen Kreuzung und an vielen anderen in der Stadt. Bei fast jeder Ampelphase gibt ein Autofahrer bei Gelb noch einmal Gas — statt anzuhalten.

Peter Kalenscher sieht darin ebenfalls ein weitverbreitetes Phänomen: „Das gibt es nach meiner Beobachtung schon lange. Man sollte mehr kontrollieren und härter be—strafen“ ist sein Vorschlag, um Autofahrer zu disziplinieren.

Dass es sich um kein Kavaliersdelikt handelt, zeigen die Unfälle, die durch Rotfahrer verursacht werden. Erst vergangene Woche wurde am Rather Broich eine 32-jährige Frau von einem Auto erfasst, als sie die Straße überqueren wollte. Sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Zeugen sagten aus, für die Autofahrerin habe die Ampel Rot gezeigt.

Laut Martin Vonstein, Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei, handelt es sich dabei um keinen Einzelfall. Offenbar verschätzen sich viele Autofahrer, wenn sie sich in sehr kurzer Zeit entscheiden, noch bei Gelb durchrutschen zu wollen. Ein Irrtum mit Folgen: Von Januar bis November 2012 wurden nach Vonsteins Angaben 236 derartige Unfälle registriert. Und die Quote der Menschen, die dabei zu Schaden kamen, ist hoch: 221 Verletzte wurden gezählt. In den Jahren 2010 und 2011 kam sogar jeweils ein Mensch zu Tode.

Mit Zahlen lässt sich das nicht belegen, Martin Vonstein glaubt, dass die Zahl derer, die Ampeln missachten, zunimmt: „Die eigenen Interessen werden den Leuten immer wichtiger, die Rücksicht nimmt dagegen ab.“

Vonstein nennt die Ahndung von Rotlichtverstößen eine wichtige Polizeiaufgabe. Allerdings ist sie mühsamer als zum Beispiel Geschwindigkeitskontrollen. Fünf feste Messstellen gibt es in der Stadt, ansonsten werden Kontrollen nach Augenschein gemacht, jeweils durch zwei Polizisten.

Im Vorjahr wurden in Düsseldorf 1919 Rotfahrer erwischt, sie erhielten eine Ordnungswidrigkeitsanzeige (siehe Info-Kasten rechts). Laut Vonstein gibt es zwei Typen: zum einen die Unachtsamen, zum andern jene, die bewusst Gas geben. Die zweite Gruppe sei deutlich in der Überzahl.