1. Kultur
  2. Kunst

Milde Strafen für Fälscher-Quartett

Milde Strafen für Fälscher-Quartett

Der Kunstmarkt machte den Betrug „verblüffend einfach“.

Köln. In einem der größten Kunstfälscher-Verfahren der Nachkriegsgeschichte hat das Kölner Landgericht vergleichsweise milde Haftstrafen bis zu sechs Jahren verhängt. Das Gericht sprach die vier Angeklagten am Donnerstag des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig. Als „Drahtzieher und Initiator“ erhielt Wolfgang B. (60) die höchste Strafe von sechs Jahren. Zugute hielt der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer den Angeklagten, dass ihnen der Kunstmarkt den Betrug „verblüffend einfach“ gemacht habe.

Die Angeklagten hatten gestanden, jahrelang gefälschte Meisterwerke im Stil von Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Kunstmarkt geschleust und Millionen kassiert zu haben. Für die Geständnisse bekamen sie wie vereinbart einen Strafrabatt. Ihnen hätten sonst bis zu neun Jahren Gefängnis gedroht. Bs. Frau Helene (53) muss für vier Jahre, der Komplize Otto S.-K. (68) für fünf Jahre ins Gefängnis. Ihre Schwester Jeanette S. (54) erhielt wegen nur minderer Beteiligung ein Jahr und neun Monate auf Bewährung.

Die drei Hauptangeklagten kamen nach der Urteilsverkündung vorläufig auf freien Fuß. Das Ehepaar B. hatte seit seiner Festnahme im August 2010 in Untersuchungshaft gesessen.

Zur Anklage standen 14 gefälschte Bilder, für die die Angeklagten laut Gericht 9,7 Millionen Euro erlöst hatten. Die Ermittlungen zu mehr als 40 weiteren Fälschungen werden eingestellt. Diese Fälle hätten eine nicht so große Dimension, sagte Kremer.

Motor des Betrugsgeschäfts war seit Mitte der 80er Jahre Wolfgang B. Er habe die Bilder allein gemalt, die Herkunftslegende von den angeblich sammelnden Großvätern Jägers und Knops erfunden und die Preise festgelegt, sagte Kremer. Seine Frau Helene lieferte in Auktionshäuser ein, der Komplize Otto S.-K. verkaufte an Galerien in Paris und Genf. B. habe seine Werke vom Kauf alter Leinwände und Farben über Fachlektüre bis hin zu Museumsbesuchen „akribisch vorbereitet und durchgezogen“.

Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen auf die Fälschungen herein. Die Bilder hingen in Museen wie der Sammlung Würth, bei Sammlern in den USA und Europa, auch der US-Schauspieler Steve Martin besaß zeitweise einen gefälschten Campendonk.

Auf Seiten der Galerien und Auktionshäuser sei Leichtfertigkeit im Spiel gewesen, „gefördert durch horrende Summen, die zu erzielen waren“, sagte Kremer. So hatte sich der Wert eines gefälschten Werkes im Stile von André Derain beim Weiterverkauf durch eine Galerie auf rund fünf Millionen Euro versechsfacht.

Die ergaunerten Millionen lagerten die Hauptangeklagten auf Nummernkonten in Andorra und der Schweiz. Das Geld verbrauchten sie für ihren luxuriösen Lebensstil und teure Villen in Südfrankreich und in Freiburg. Zeitweise lebten die Bs. mit ihrer Tochter auch auf einer Bananenplantage in Guadeloupe.

Einige Millionen seien in der Finanzkrise verloren gegangen, sagten sie. Knapp eine Million Franken auf einem Schweizer Konto konnten noch rechtzeitig beschlagnahmt werden.